Dienst der nationalen Wiedergeburt und der Erfüllung der Vision des geoffenbarten Endes.‘
Ins gleiche Horn blies der Kook zumindest gleichgestellte und von der Lubawitscher- bzw.
Chabad-Sekte als lebender Messias verehrte Rabbiner (‚Rebbe‘) Schneerson. Gefragt, wie
der Holocaust habe geschehen können, wenn der Gott Israels die Welt regierte, sagte
er, es habe einen faulen Ast im Judentum gegeben, der abgesägt werden musste.“
Die „Neue Welt Gottes“, die die Endzeitchristen in der „Offenbarung des
Johannes” prophezeit sehen, stellt anscheinend eine Art „Weltregierung“ aus Israel dar,
welche auch die Rothschilds als Endziel anvisiert haben: Es entstehen ein neuer Himmel,
eine neue Erde und das neue Jerusalem, die Braut des Lammes, mit zwölf Toren und zwölf
Grundsteinen, auf denen die Namen der zwölf Apostel stehen. Der Gott wohnt in der
Mitte seines Volkes. Der Tod und Leid sind nicht mehr da. Und es gibt keinen Tempel in
der Stadt, denn Gott ist der Tempel. Vom Thron Gottes und des Lammes geht das Wasser
des Lebens aus, an dem die Bäume des Lebens stehen.“ EndzeitreporterMCM stellt sich
die Welt nach dem Dritten Weltkrieg, nachdem der Messias auf dem Thron in Israel
platzgenommen hat, folgendermaßen vor: Und wenn es keine Kriege mehr gibt und die
Welt gerecht regiert wird, dann werden wir das haben, was ich jedem Menschen wünsche:
Den Weltfrieden"“® Da wünscht sich jemand also, dass die Welt von Jesus „regiert“
wird, der damals von Regierenden ans Kreuz genagelt wurde. Ein kollektivistische
Ideologie, in der der Einzelne nichts zählt, zeichnet sich natürlich durch Ablehnung
des Kapitalismus aus, denn anscheinend müssen Gottes Schafe ja „regiert“ werden:
Doch auch der Kapitalismus ist für einige eine sehr verführerische Alternative, das
allerdings ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist, denn Zinsen sind laut Thora verboten,
so wie die Geldgier laut Neuem Testament eine Wurzel alles Bösen ist.*' Wer sein Leben
auf ein einziges Schriftstück ausrichtet, das nachweislich tausendfach verfälscht wurde
(siehe S.205), der hat es einfach, denn Logik und Fakten spielen keine Rolle mehr für
ihn. Dabei soll der Antichrist, gegen den Jesus am Ende der Zeiten kämpfen soll,
eine Person sein, die extrem viel weltliche Macht ausübt. Wie man in einer freien
Marktwirtschaft ohne Regierung Macht ausüben soll, wird der Endzeitreporter
sicher auch nicht erklären können. Aber was gibt es Angenehmeres als in einer Sekte
das eigene Denken aufzugeben und sich einfach dem Schicksal auszuliefern? Religionen
siedeln das Böse im Mystischen an. Sie reden einem ein, dass man nichts gegen das Böse
unternehmen könnte, weshalb auch der Vatikan Lobaczewskis Manuskript über eine
wissenschaftliche Herangehensweise an das Böse verschwinden ließ (siehe S.13 f.).
Über den Ursprung der „Offenbarung des Johannes“, auf die sich die
Evangelikalen verlassen, lässt sich heute nur noch spekulieren. Die meisten Bibel-
Exegeten sind sich indes darin einig, dass es sich beim Autor der Offenbarung nicht
um den Apostel Johannes handelt. Die Endzeitchristen vertrauen auf ein Buch, das auf
mysteriöse Weise seinen Weg in die heutige Bibel geschafft hat. Höchstwahrscheinlich
hat die Offenbarung nichts, aber auch gar nichts, mit dem Wort Christi zu tun.
Wolfgang Eggert schreibt: Bezeichnenderweise ist apokalyptisches Gedankengut dem
christlichen Geist prinzipiell fremd und es lässt sich der Nachweis führen, dass Johannes‘
Gedichte auf heidnischen Mythen basierten, deren Abfassung Jesu Geburt ganze
2000 Jahre vorangingen und erst 300 Jahre nach Christi Tod dem Bibelkanon

234