der Wiederkehr des Messias arbeiten zu müssen, geteilt. Der US-israelische Geschichts-
Professor Robert Wolfe schreibt in seinem Essay „Zionismus als Judaismus®: Wenn es
ein Unterscheidungsmerkmal unter Juden gab, dann bestand das darin, dass ein
Teil von ihnen passiv auf die Ankunft des Messias wartete, während andere das
Ende durch Aktionen erzwingen wollten, die darauf abgestellt waren, die Sammlung der
Exilierten ohne himmlische Intervention herbeizuführen. Seit dem 13. Jahrhundert wurden
jene, die das Ende erzwingen wollten, mit den Geheimlehren der Kabbala identifiziert.
Und im Zentrum der Kabbala befand sich ein Text, der als Buch Zohar bekannt ist, und
welcher lehrte, daß die Religion der Juden nur im Land Israel ihre volle Größe entfalten
könne.‘

Die Evangelikalen ignorieren, dass kabbalistische Kreise innerhalb des
Judentums das Schicksal unserer Welt manipulieren. Gott verwirklicht die
Bibelprophezeiungen nicht, Menschen tun es. Wolfang Eggert sagt über den
„Chassidismus“, den die Urahnen des „Ersten Rothschilds“, Mayer Rothschild,
bereits praktizierten: Das Wort ‚Gottes‘ müsse dabei als Auftrag zur Tat
verstanden werden. Und natürlich hat der aktivistisch gepolte Chassidismus
keinen Zweifel, dass ihm selbst die Rolle dieses geheimnisumwobenen
, Vollstreckers Gottes‘ zukommt. Als Handlungsanweisung dient ihm dabei die vor
Jahrtausenden niedergelegte Zukunfisschau des Judaismus. So arbeiten bis in die jüngste
Zeit hinein chassidische Gelehrte an den Prophetien der Bibel. Sie suchen die offenen,
die halbverschlüsselten, die allegorischen Ausblicke, analysieren und dekodieren diese mit
Hilfe von Kabbala, Astrologie sowie altüberlieferter Buchstaben-/Zahlenschlüssel, um
sie anschließend in eine Zeitachse einzupassen. Und geben ihre Erkenntnisse dann an
politische Aktivisten weiter, die daraus vollendete Tatsachen zu schaffen haben. Wie die
biblischen Söhne Issachars, welche um die geheime Lehre der Buchstabenentschlüsselung
wussten, sodass sie die Zeiten vorhersagen konnten und voraussagen konnten, was
Israel zu tun aufgetragen war. Wenn eine kleine Elite aktiv an der Umsetzung
von Bibelprophezeiungen arbeitet und Milliarden Religiöse auf ebendiese
warten, haben wir es nicht mit einer zwangsläufigen, nur übernatürlich
erklärbaren Entwicklung zu tun, sondern mit kollektivem Wahnsinn, der sich,
wie Wolfang Eggert feststellt, auf der ganzen Welt verbreitet hat: Wie kurze
Seitenblicke auf die Endzeiterwartungen von Freimaurern (‚Jesus‘) und radikalen
Islamisten (‚Mahdi‘) gezeigt haben, reicht der bunte Reigen an Heilspersönlichkeiten
im Armageddonnetzwerk über den jüdischen Messias weit hinaus: Nicht wenige
Hindus pochen auf das Kommen des ,Kalki Avatara‘, der Buddhist weiß um
den Erlöser-Buddha ,Maitreya‘ und der Parse hofft auf seinen ,Sosiosch‘ So
verschieden die Namen sind, so gleich ist die Bestimmung, die Vision, das Schicksal,
das sich an die jeweilige Lichtgestalt bindet. Vieles spricht dafür, dass hier ein und
derselben Wesenheit gehuldigt wird.*” Die grausige Vorahnung eines Dritten
Weltkriegs und einer Weltregierung wird so einfach zur lang erwarteten Erlösung
durch den entsprechenden Gott. Sobald Anhinger dieser endzeitlichen Religionen
eine Tendenz zu einer Weltregierung und mehr Kriegen wahrnehmen, werden sie
sich in ihrem Glauben bestärkt fühlen. Sie werden sich noch weiter in die Texte

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