die Trennung von Kirche und Staat sei der größte Fehler der amerikanischen
Gründungsväter gewesen.“ Auch über Reagan lässt sich eine Verbindung zu
den Evangelikalen herstellen. Wolfgang Eggert berichtete: Das Näheverhältnis
fundamentalistischer Christen zur Republikanischen Partei ist spätestens seit der Amtszeit
Ronald Reagan offenkundig. Es war kein Zufall, dass der damalige US-Präsident die
Rede, in welcher er die Sowjetunion als ‚Imperium des Bösen‘ bezeichnete, bei der
endzeitlichen ‚National Association of Evangelicals‘ hielt. (5) Und: Der ‚Apostolische
Kongress‘ datiert seine Ursprünge in das Jahr 1981, als (so heißt es auf seiner Webseite)
‚Bruder Stan Wachstetter Apostolischen Christen die Türe zum Weißen Haus öffnen
konnte‘. Der damals regierende US-Präsident Ronald Reagan besafS eine theologische
Verwandtschaft mit solchen Christen, da er glaubte, die Welt werde in einem brennenden
Armageddon untergehen. Reagan nahm während seiner Präsidentschaft ein halbes
Dutzendmal explizit auf diesen Glauben Bezug.“ Religiöse Fanatiker findet man
eben nicht nur an der Spitze des iranischen Mullah-Regimes. Eine Demokratie hält
sie nicht davon ab, sich auch im Westen an die Spitzen von Staaten zu setzen. Im
Jahr 2016 werden in den USA neue Wahlen stattfinden. Nach acht Jahren Obama
ohne den versprochenen Wandel wird es für die Demokraten schwer, sich noch
einmal durchzusetzen. Nach den üblichen Zyklen wäre die Zeit wieder reif für einen
Republikaner. Dieser würde höchstwahrscheinlich mit einer aggressiven Außenpolitik
dafür sorgen, dass die in der Bibel angekündigten Ereignisse eintreffen. Die evangelikale
Gemeinde würde ihn dafür bejubeln.

Die Evangelikalen sind in ihrem Endzeitwahn eng mit den israelischen
messianistischen Juden verbunden. Die Verbindung der Evangelikalen zum Judentum
ist offensichtlich, da „normale“ Christen glauben, ihr Messias habe sie schon erlöst.
Die Juden warten weiterhin auf eine himmlische Erlösung am Ende der Tage. Die
Israel-Sicht der Evangelikalen leitet sich hauptsächlich von einer zweischneidigen
theologischen Perspektive her. Sie folgt einem in seinem Kern antisemitischen Urteil
und betrachtet das jüdische Volk als „spirituell blind“, weil es Jesus zurückgewiesen hat.
Trotzdem nehmen die Evangelikalen an, dass die göttlichen Versprechen an die Juden
die zu segnen, welche die Juden segnen bzw. sie in ihr Land zurückzuführen bestehen
bleiben. So wird auch die Existenz Israels als Beweis dafür angesehen, dass die
biblischen Prophetien wahr werden was eine Apokalypse ankündigt, in welcher
die Juden als „auserwähltes Volk“ entweder sterben oder Jesus annehmen.“ Uri
Avnery, der Führer der israelischen Friedensgruppe Gush Shalom, warnte vehement
vor diesen vermeintlichen „Freuden Israels: Entsprechend ihrem theologischen
Glauben müssen sich die Juden in Palästina versammeln und einen jüdischen
Staat auf seinem gesamten Gebiet errichten, um das zweite Kommen Jesu Christi
zu ermöglichen. |...) Die Evangelisten wollen sich über das, was danach kommt, nicht
offen äußern: Vor dem Erscheinen (des Messias) müssen sich die Juden zum Christentum
bekehren. Die, die das nicht tun, kommen in einem gigantischen Holocaust in der Schlacht
von Armageddon um. Das ist grundsätzlich ein antisemitischer Lehrsatz.*

Die jüdische Gemeinde ist wiederum in „normale“ orthodoxe Juden, die passiv auf
eine Ankunft des Messias warten und die jüdischen Kabbalisten, die glauben, aktiv an

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