23 Jahren geradezu gemäßigt. Da sich viele Persönlichkeiten der alternativen Medien
sich als Teil einer „Friedensbewegung“ bezeichnen, könnten sie Frau Nuland immerhin
zugutehalten, dass das Geld nicht wie bei Putin in Kriegsgerät floss. Außerdem könnte
man - bei oberflächlicher Betrachtung - die Ukraine dazu beglückwünschen, dass in ihr
Großdemonstrationen gegen die eigene Regierung noch möglich sind, während sie in
Russland schon im Ansatz ausgebremst und, wenn „nötig“, niedergeschlagen werden.

Würde die neue ukrainische Führungsschicht in Wahrheit für Putin arbeiten
- so wie ich das stark vermute - hätte sie nun alle Trümpfe in der Hand. Die
Mainstream- und alternativen Medien verkaufen das Bild einer pro-westlichen
ukrainischen Regierung. Jedes Verbrechen, das diese Regierung begeht, kann
auf den Westen geschoben werden. Darüber hinaus kann man auf finanzielle,
militärische und technologische Hilfe des Westens im Kampf gegen die Russen
hoffen. Das war schon in der UdSSR das Ziel der gesteuerten Opposition gewesen,
z.B. in Rumänien (siehe S.73). Russland greift den Osten der Ukraine an, damit der
Westen wieder einen Grund hat, der Ukraine zu helfen. Die ukrainische Regierung
wird sich so lange als Partner des Westens ausgeben, bis Putin auf dem Höhepunkt
von Phase 4 zum Angriff bläst. Der Ukraine-Konflikt wird höchstwahrscheinlich nicht
eskalieren. Er stellt lediglich das Einläuten von Phase 4 dar. Putin hatte durch die
vermeintlich „westliche“ „Putsch-Regierung“ eine Entschuldigung, um die Krim
und Teile der Ostukraine zurückzuerobern. Währenddessen kümmern sich seine
Agenten in der ukrainischen Regierung um neue militärische und finanzielle
Hilfe des Westens für die Langzeitstrategie. Außerdem konnte sie zur eigenen
Bereicherung eine Kriegssteuer von 1,5 Prozent auf alle Privateinkommen im
Land erheben.“ Moskaus Presse leistet im Westen ganze Arbeit und verkauft das Bild
von Putin als Opfer westlicher Machtinteressen. Millionen fehlinformierter Deutscher
gehen diesem Schwindel auf den Leim und feuern Putin gegen die Weltmacht USA
an. Ein teuflisches Spiel, in dem es auf pro-amerikanischer und pro-russischer Seite nur
Verlierer gibt und das nur die Eingeweihten durchschauen.

Das erklärt auch, warum Putin nur wenige Söldner über die Grenze in
die Ostukraine schicken musste, um ein riesiges Gebiet zu übernehmen: Die
ukrainische Regierung leistete ihm absichtlich kaum Widerstand mit ihrer
Armee. Ganz im Gegensatz zu Tschetschenien musste Putin keine Häuserblocks in
Schutt und Asche legen, um Donezk und Sewastopol einzunehmen. Die Ukraine ließ
Putins Spezialeinheiten, die in der Ostukraine angeblich ihren „Urlaub“ verbrachten,
gewähren. Dabei wurde nicht ganz auf Gegenwehr verzichtet - seit dem Frühjahr
2014 starben in der Ostukraine 6500 Menschen -, doch sie wurde so dosiert, dass die
russischen Söldner nicht in Bedrängnis kamen. Die große ukrainische Rüstungsindustrie
produzierte vor der Ukraine-Krise Waffen und Ausrüstung für Russland. „Ironie der
Geschichte” müsste man sagen, wenn man nichts von der Langzeitstrategie wüsste.
Die Mehrzahl der Rüstungsfabriken wurde extra in der Ostukraine, nahe an der
russischen Grenze angesiedelt. Auch die von der EU erlassenen Sanktionen scheinen
kaum Einfluss auf die russische Wirtschaft zu haben. Der Russland-Experte Boris

Reitschuster berichtet: Viele Oppositionelle und Wirtschaftsfachleute wie Chris Weafer


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