den Iran.“ Der Verdacht liegt indes nahe, dass Russland den Iran auch direkt mit
Atomwaffen versorgte, so z.B. als 250 Atomsprengköpfe bei der Übergabe von der
Ukraine an Russland nach dem Fall der Sowjetunion spurlos verschwanden. Doch
Aussagen und Indizien zählen für die Putinversteher nicht, solange sie damit Amerika
nicht schaden können.

Ich kann Wisnewskis Gründe für seine Reise in den Iran nachvollziehen. Zur
damaligen Zeit galt der Iran als nächstes Angriffsziel des Westens und der Rufmord
gegen Ahmadinedschad lief auf Hochtouren. Deshalb rechtfertige Wisnewski seine
diplomatische Offensive so: Aber darf man den iranischen Präsidenten überhaupt
besuchen? Ja, man darf; man muss sogar. Denn in Zeiten der Kriegshetze und Propaganda
kommt es umso mehr darauf an, künstlich geschaffene Gräben zu überwinden, um
Spannungen abzubauen. Wer das Bild des Iran und seines Präsidenten den etablierten
Medien überlässt, steht einem bevorstehenden Massenmord gleichgültig gegenüber. Denn
bekanntlich kommt erst die Bild-Zeitung, dann die NATO.“* Klar muss man sich
gegen die realitätsferne Berichterstattung des Mainstreams zur Wehr setzen, der
Ahmadinedschad fälschlicherweise als „Holocaustleugner“ abstempelte und gegen
Wisnewskis Reisegruppe nach ihrer Heimkehr eine Hetzkampagne lancierte, die
vor Doppelmoral nur so strotzte. Leider wirkt Wisnewskis Berichterstattung über
den Iran ähnlich tendenziös in die andere Richtung, da er die Rolle des Islam, die
Einschränkung der Bürgerrechte, den Status der Frau oder die militärische Gefahr
durch den Iran in seinem Reisebericht grob verzerrt. Wer die etablierten Medien
der ,Hofberichterstattung™ bezichtigt und sich selbst als unabhängigen Journalisten
bezeichnet, sollte ein totalitäres Regime wie den Iran und eine totalitäre Religion wie
den Islam nicht so darstellen, wie Wisnewski es macht.

216