Verhüllung
der
Frau:
Aber
wie
passt
der
Tschador
[Schwarzer
Umhang
für
Musliminnen,
Anm. d. Autors] zu einem angeblich so modernen Staat? Zumal die iranische Gesellschaft
offenbar gar nicht so priide ist, wie es den Anschein hat. [...] Nun, es wird Zeit, den
verteufelten Tschador oder die Verhiillung der Frau einmal in einem anderen Licht zu
betrachten. An erster Stelle ist der Tschador nicht heiß und stickig, sondern wiegt fast nichts
und ist aus überaus leichtem und luftigem Stoff gewebt. Zweitens hat die Verbiillung der
Frau weniger mit Priiderie zu tun als vielmehr mit der Abgrenzung von Frau und Familie
gegenüber anderen Männern und Familien: Ist es im Westen nicht manchmal lästig, wenn
sexuelle Spannungen zwischen Menschen entstehen, zwischen denen sie nicht entstehen
sollten? Wenn jemand plötzlich die Freundin des besten Freundes erotisch anziehend findet?
Oder wenn ein Ehemann die Frau eines anderen begehrt? Die Verwicklungen, die daraus
entstehen, sind wohl jedermann bekannt: Seitenspriinge, Eifersuchtsdramen, Scheidungen,
Scheidungskinder, finanzieller Ruin eines geschiedenen Partners usw. Nach dem Motto ‚Was
ich nicht weiß, macht mich nicht heiß‘ werden diese Spannungen und Begebrlichkeiten
vom Islam bekämpft, bevor sie überhaupt entstehen können. Sämtliche weiblichen Reize
einschließlich des Haars werden ausgeblendet. In der Regel weiß der muslimische Mann
nicht, was ein anderer Mann ‚da hat‘, und der andere weiß nicht, was er ‚hat‘. Die Frau
ist sozusagen eine ‚Black Box‘. Daher gibt es auch weniger Unzufriedenheit, und zwar bei
Mann wie Frau.“” Tja, diese einleuchtende Erklärung von Islamkenner Wisnewski lässt
das Kopftuch und die Verschleierung der Frau in einem ganz neuen Licht erscheinen.
Dummerweise verteidigten bei meiner Reise in den Iran weder ein Mann noch
eine Frau die Zwangsverschleierung mit diesen Argumenten. Die meisten Frauen,
die ich kennen lernte, trugen das Kopftuch, weil sie es mussten. Sobald sie nach Hause
kamen, wurde es so schnell wie möglich abgelegt. Auch bei Reisen in andere Länder
legen die angeblich so gläubigen iranischen Frauen das Kopftuch ab, sobald
sie ins Flugzeug gestiegen sind. Wisnewski hat Recht, wenn er sagt, die Iraner
seien gar nicht so prüde. Genau deshalb wollen die meisten Iraner das Kopftuch
ja nicht. Die Iraner, mit denen ich sprach, wünschten sich die Zeiten der Schah-
Regierung zurück, in der sich Frauen am Strand mit Bikini zeigen durften. Unter
dem Schah wurde der Islam fast vollständig aus dem öffentlichen Leben verdrängt
und die meisten Iraner waren zufrieden damit. Der Schah liberalisierte das Land und
stärkte die Rolle der Frau. Die „Starke Frau“, die eine Ent-Islamisierung meist mit sich
bringt, ist laut Wisnewski jedoch auch im Koran verwurzelt: [...] erstens beruht die
islamische Religion zu einem großen Teil auf ‚starken Frauen‘, wie etwa der verehrten
Mohammed-Tochter Fatima, für die Moscheen gebaut wurden und deren Todestag
Jahr für Jahr inbrünstig begangen wird. Und zweitens: Welche (Männer-)Gesellschaft
könnte auf Dauer ernsthaft gegen die Frau existieren? Wisnewski macht es sich sehr
leicht, wenn er von der Tochter des Propheten auf den Status der durchschnittlichen
islamischen Frau schließt. Für die Geringschätzung der Frau in der islamischen Kultur
finden wir im Koran selbstverständlich auch das passende Fundament. Um nur einen
von vielen möglichen Koranversen zu zitieren, hier Sure 4, Vers 34: Die Männer stehen
über den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von
ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben
Anm. d. Autors] zu einem angeblich so modernen Staat? Zumal die iranische Gesellschaft
offenbar gar nicht so priide ist, wie es den Anschein hat. [...] Nun, es wird Zeit, den
verteufelten Tschador oder die Verhiillung der Frau einmal in einem anderen Licht zu
betrachten. An erster Stelle ist der Tschador nicht heiß und stickig, sondern wiegt fast nichts
und ist aus überaus leichtem und luftigem Stoff gewebt. Zweitens hat die Verbiillung der
Frau weniger mit Priiderie zu tun als vielmehr mit der Abgrenzung von Frau und Familie
gegenüber anderen Männern und Familien: Ist es im Westen nicht manchmal lästig, wenn
sexuelle Spannungen zwischen Menschen entstehen, zwischen denen sie nicht entstehen
sollten? Wenn jemand plötzlich die Freundin des besten Freundes erotisch anziehend findet?
Oder wenn ein Ehemann die Frau eines anderen begehrt? Die Verwicklungen, die daraus
entstehen, sind wohl jedermann bekannt: Seitenspriinge, Eifersuchtsdramen, Scheidungen,
Scheidungskinder, finanzieller Ruin eines geschiedenen Partners usw. Nach dem Motto ‚Was
ich nicht weiß, macht mich nicht heiß‘ werden diese Spannungen und Begebrlichkeiten
vom Islam bekämpft, bevor sie überhaupt entstehen können. Sämtliche weiblichen Reize
einschließlich des Haars werden ausgeblendet. In der Regel weiß der muslimische Mann
nicht, was ein anderer Mann ‚da hat‘, und der andere weiß nicht, was er ‚hat‘. Die Frau
ist sozusagen eine ‚Black Box‘. Daher gibt es auch weniger Unzufriedenheit, und zwar bei
Mann wie Frau.“” Tja, diese einleuchtende Erklärung von Islamkenner Wisnewski lässt
das Kopftuch und die Verschleierung der Frau in einem ganz neuen Licht erscheinen.
Dummerweise verteidigten bei meiner Reise in den Iran weder ein Mann noch
eine Frau die Zwangsverschleierung mit diesen Argumenten. Die meisten Frauen,
die ich kennen lernte, trugen das Kopftuch, weil sie es mussten. Sobald sie nach Hause
kamen, wurde es so schnell wie möglich abgelegt. Auch bei Reisen in andere Länder
legen die angeblich so gläubigen iranischen Frauen das Kopftuch ab, sobald
sie ins Flugzeug gestiegen sind. Wisnewski hat Recht, wenn er sagt, die Iraner
seien gar nicht so prüde. Genau deshalb wollen die meisten Iraner das Kopftuch
ja nicht. Die Iraner, mit denen ich sprach, wünschten sich die Zeiten der Schah-
Regierung zurück, in der sich Frauen am Strand mit Bikini zeigen durften. Unter
dem Schah wurde der Islam fast vollständig aus dem öffentlichen Leben verdrängt
und die meisten Iraner waren zufrieden damit. Der Schah liberalisierte das Land und
stärkte die Rolle der Frau. Die „Starke Frau“, die eine Ent-Islamisierung meist mit sich
bringt, ist laut Wisnewski jedoch auch im Koran verwurzelt: [...] erstens beruht die
islamische Religion zu einem großen Teil auf ‚starken Frauen‘, wie etwa der verehrten
Mohammed-Tochter Fatima, für die Moscheen gebaut wurden und deren Todestag
Jahr für Jahr inbrünstig begangen wird. Und zweitens: Welche (Männer-)Gesellschaft
könnte auf Dauer ernsthaft gegen die Frau existieren? Wisnewski macht es sich sehr
leicht, wenn er von der Tochter des Propheten auf den Status der durchschnittlichen
islamischen Frau schließt. Für die Geringschätzung der Frau in der islamischen Kultur
finden wir im Koran selbstverständlich auch das passende Fundament. Um nur einen
von vielen möglichen Koranversen zu zitieren, hier Sure 4, Vers 34: Die Männer stehen
über den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von
ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben
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