Nagel zu reißen. Chinas Vorgehen unterscheidet sich nicht von dem des IWF: Die
Diktatoren erhalten Milliardenkredite von China und verteilen Konzessionen an
die chinesischen Firmen, Rohstoffe wie Öl, Gas, Gold oder Kobalt abzubauen.
Das Geld der Chinesen fließt in staatlich kontrollierte Industrien. Dank Bürokratie
und Korruption sowie der Tatsache, dass der Staat die gegebenen Ressourcen immer
inefhzienter verteilt als die Individuen, erzeugt dies zwangsläufig die Verarmung der
Zivilbevölkerung. Das Kapital der Chinesen wird nicht gleichmäßig an das afrikanische
Volk verteilt, das es in der Privatwirtschaft investieren könnte. Die Despoten bekommen
Kredite und lassen China das Land ausbeuten. Und das in einer sozialistischen
Wirtschaft. Die Kredite werden an totalitäre Regimes vergeben, deren Staatsstruktur
sich kaum von der der Sowjetunion unterscheidet. Da in sozialistischen Ländern
kaum Wettbewerb um die Arbeitnehmer stattfindet, kann die afrikanische Regierung
die Löhne für die Bauern, Minenarbeiter etc. weitgehend selbst bestimmen. Mangels
Alternativen müssen die afrikanischen Arbeiter ihre Hungerlöhne akzeptieren. Die
Chefs der chinesischen Staatsunternehmen können sich an der billigen afrikanischen
Arbeitskraft bereichern. Dabei werden sie obendrein von westlichen Investment-
Häusern wie „Blackstone“ beraten, doch Engdahl bringen solche Ungereimtheiten
offensichtlich nicht zum Nachdenken. Er stellt sich blind gegenüber der chinesischen
Ausbeutung des Schwarzen Kontinents. Für ihn ist die Bestechung korrupter
Herrscher in Afrika nur ein Verbrechen, wenn der IWF sich dieses Mittels bedient:
China sichert sich langfristige Abkommen über Rohstofflieferungen aus Afrika und bietet
im Gegenzug Hilfe und Verträge über gemeinsame Produktion und Lizenzgebühren. Nach
glaubwürdigen Berichten waren die Chinesen viel schlauer: Anstelle der drastischen, vom
IWF diktierten Sparpolitik und des wirtschaftlichen Chaos bietet China günstige Darlehen
für den Bau von Straßen und Schulen, um ein gutes Verhältnis zu begründen.?” Staaten
seien gut beraten, sich nicht für eine schnelle Wirtschaftsreform nach dem Muster der IWF-
diktierten freimarktwirtschaftlichen Schocktherapie”® zu entscheiden. Die Gründung des
IWF wurde ebenfalls auf der Bretton-Woods-Konferenz (siehe S.190) beschlossen.
Neben dem Sowjetagenten Harry Dexter White war der Vollblutsozialist John Maynard
Keynes der wichtigste Stratege des neuen globalen Geldsystems. Keynes war Teil der
Gesellschaft der Fabier (siehe S.160 fI.), deren erklärtes Ziel es war, Institutionen auf
der ganzen Welt sozialistisch zu unterwandern. IWF und Weltbank geben sich liberal,
doch insgeheim ist ihr Ziel die Ausweitung des staatlichen Sektors und die Abschaffung
des freien Marktes. Der Autor G. Edward Griffin schrieb über den IWF: Wie die
Fabier vorgesehen hatten, darf das Wort ‚Sozialismus‘ nicht benutzt werden. Stattdessen
werden die Darlehen für staatliche hydroelektrische Projekte, staatliche Ölraffinerien,
staatliche Bergwerke und staatliche Stahlwerke vergeben. Sie wandern von den Händen
der Politiker und Bürokraten in die Hände von Politikern und Bürokraten. Stammt das
Geld von einer Regierung und geht es zu einer Regierung und wird es von einer Regierung
verwaltet, so ist das Ergebnis die Ausweitung des Regierungsbereiches.’’”> China und den
IWF eint das Interesse an der Diskreditierung des Kapitalismus, deshalb verkaufen
sie die Finanzierung von afrikanischen Planwirtschaften als „Handelsoffensive“ oder
„wirtschaftliche Kooperation“. Engdahl sieht die Ausweitung dieser Planwirtschaft

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