nicht mehr wegzudenken. Die zwei letzten Labour-Premiers Tony Blair und Gordon
Brown sind heute noch Mitglied der Fabian Society. Interessanterweise vertreten die
Conservatives heute eher marktwirtschaftliche Positionen, während das vermeintlich
große Sprachrohr der Arbeiterklasse, sich für mehr staatliche Kontrolle einsetzt. Das
war immer das Ziel der Fabier gewesen: Eine Arbeiterpartei, die sich gegen die Ziele
der Arbeiter richtet, und Arbeiter, die intellektuell nicht mehr in der Lage dazu sind,
diesen Trick nachzuvollziehen.

Nun zur Verbindung der Fabian Society zu den Trotzkisten: Die Fabian Society
schickte regelmäßig Delegierte zu Treffen der „Zweiten Sozialistischen Internationale“.
Diese Organisation hatte ihre Wurzeln in der von Karl Marx angeregten „Internationalen
Arbeiterassoziation“, die 1876 aufgelöst wurde. Die Gründung fand nicht zufällig
am 14. Juli 1889 statt, exakt hundert Jahre nach der Französischen Revolution
(siehe S.48 ff.). Friedrich Engels, der im Gegensatz zu Marx (71883) erst 1895 verstarb,
koordinierte dieses Treffen von London aus, nahm aber persönlich nicht teil. 1902 floh
Leo Trotzki aus Russland, um Lenin in London zu besuchen, der ihn eingeladen hatte.
Dort trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) bei, was den
Startschuss für seine Karriere als Revolutionär darstellte. Die russischen Kommunisten
durften nicht in Russland tagen, also tagten sie in London, ebenfalls nicht zufällig
in unmittelbarer Nähe zur Fabian Society. Zu diesem Zeitpunkt nannten sich die
Kommunisten noch „Sozialdemokraten“.

Die Fabier unterstützten ihre nach außen hin etwas radikaleren russischen
Genossen wo es nur ging, und das schon lange vor der Oktoberrevolution. 1907 fand
eine von zahlreichen revolutionären Konferenzen in London statt, bei der die Fabier
Gastgeber für Lenin und seine bolschewistische Gefolgschaft spielten. Man traf sich
heimlich in der Brotherhood Church in Whitechapel im Osten Londons. Diese Kirche
gehörte einer irrsinnigen religiösen Sekte namens „Christian Socialists“. Hier durften
sich Lenin und seine Begleiter drei Tage verstecken, um sich mit Mitgliedern der
Fabian Society zu besprechen. George Lansbury, ein führender Fabian‘ scher Sozialist
und Abgeordneter der Labour Partei von 1912 bis 1940, beschrieb in seinen Memoiren,
wie Trotzki u.a. 3000 Pfund Unterstützungsgelder von einem amerikanischen
Seifenhersteller namens Josef Fels bekam. Sowohl Lenin als auch Trotzki zeigten ihre
Dankbarkeit für Fels, indem sie sein Darlehen 1921 durch die sowjetische Staatskasse
zurückzahlten.**® George Lansbury äußerte sich begeistert über die Bolschewiki und
schrieb Russland, Großbritannien und die ganze Welt brauchen tausende wie Lenin.?? Die
Verbindung zwischen der Fabian Society und Lenin geht bis zu den frühen Anfängen
der Fabier ins Jahr 1897 zurück, als Lenin Sidney Webbs Fabian‘sche Publikation
„Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegungen“ (History of Trade Unionism)
übersetzte. Der Name „Webb“ hatte fast mythologisches Prestige in der Russisch-
Kommunistischen Partei, da Lenin von Webbs Buch so begeistert war und es jedem
Parteimitglied empfahl. Die Fabier nannten die Bolschewisten „Kameraden“.

Die „Kommunistische Internationale“, auch „Dritte Internationale“ oder
„Komintern” genannt, wurde 1919 in Moskau auf Initiative Lenins gegründet. Die
Dritte Internationale bezog sich in ihrer Programmatik auf die von Friedrich Engels

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