rissen,
entstammten
entweder
der
Mafia
oder
dem
KGB,
wobei
die
Trennung
zwischen diesen beiden Organisationen sowieso nicht eindeutig zu ziehen ist. Wie
der Soviet Analyst berichtete, wurden neben der Rekrutierung von Kriminellen
junge KGB- und GRU-Agenten speziell für die Konservierung der sowjetischen
Wirtschaft unter der Kontrolle der Geheimdienste vorbereitet. Angehende
Agenten seien damals buchstäblich von ihren Vorgesetzten gefragt worden, ob sie
nicht Lust hätten, Milliardär zu werden. Und nicht wenige von ihnen sollten später
zu den Oligarchen werden, die Jelzins Russland prägten.*”“
zwischen diesen beiden Organisationen sowieso nicht eindeutig zu ziehen ist. Wie
der Soviet Analyst berichtete, wurden neben der Rekrutierung von Kriminellen
junge KGB- und GRU-Agenten speziell für die Konservierung der sowjetischen
Wirtschaft unter der Kontrolle der Geheimdienste vorbereitet. Angehende
Agenten seien damals buchstäblich von ihren Vorgesetzten gefragt worden, ob sie
nicht Lust hätten, Milliardär zu werden. Und nicht wenige von ihnen sollten später
zu den Oligarchen werden, die Jelzins Russland prägten.*”“
Die
„Roten
Direktoren“
aus
der
Sowjetunion
,
die
die
einzelnen
Betriebe
für
die Kommunistische Partei geleitet hatten, verschoben ihre Gelder kurz vor der
Privatisierung auf ihre eigenen Tochterfirmen und kauften ihre Betriebe später als
Privatpersonen zurück. Zudem wurde die Mehrzahl der Betriebe im ersten Schritt der
Volksprivatisierung nicht einmal enteignet, sondern blieb in der Hand der Direktoren
bzw. des Staates. Der Staat hatte nur 4300 Betriebe zur Privatisierung ausersehen.
Anstatt Russland zu entsowjetisieren und die alten Parteikader zu bestrafen,
sollten sie die Liberalisierung des neuen Russlands übernehmen. Kein Wunder,
dass die Russen bald die Hoffnung auf die Marktwirtschaft wieder verloren hatten.
die Kommunistische Partei geleitet hatten, verschoben ihre Gelder kurz vor der
Privatisierung auf ihre eigenen Tochterfirmen und kauften ihre Betriebe später als
Privatpersonen zurück. Zudem wurde die Mehrzahl der Betriebe im ersten Schritt der
Volksprivatisierung nicht einmal enteignet, sondern blieb in der Hand der Direktoren
bzw. des Staates. Der Staat hatte nur 4300 Betriebe zur Privatisierung ausersehen.
Anstatt Russland zu entsowjetisieren und die alten Parteikader zu bestrafen,
sollten sie die Liberalisierung des neuen Russlands übernehmen. Kein Wunder,
dass die Russen bald die Hoffnung auf die Marktwirtschaft wieder verloren hatten.
Im
zweiten
Schritt
der
Privatisierung
unter
Jelzin
hatte
das
russische
Volk
überhaupt
nichts mehr mitzureden. Mit seinem Gutscheinprogramm hatte das „Staatskomitee
für Eigentum“ von Anatoliy Tschubais Mitte der Neunziger einen großen Teil
der russischen Wirtschaft „privatisiert“. Dabei waren in der Tat viele Klein- und
Mittelstandsfirmen geschaffen worden, die zwar meist von Günstlingen des Systems
geleitet wurden, sich dennoch dem nationalen und internationalen Wettbewerb stellen
mussten. Die größten Unternehmen hatte Tschubais aber noch nicht angerührt: Öl-,
Gas- und Mineralstofffabriken, Telekommunikation und Militärindustrie wurden
immer noch von den denselben Leuten geleitet, die schon zu Sowjetzeiten das Ruder
in der Hand hatten. Viele schröpften die Konzerne durch Dritthändler, wuschen die
Profite oder bunkerten sie in ausländischen Offshore-Steuerparadiesen.?’”> Die Manager
der großen staatlichen Betriebe wurden als „Direktorenkorps“ bezeichnet. Sie trauerten
den Zeiten der UdSSR nach und glaubten an eine Rückkehr zur Planwirtschaft, die
durch die Wahlerfolge der Kommunistischen Partei in greifbare Nähe gerückt war.
Durch die von Tschubais verordnete „Schocktherapie“, die sich den Anstrich einer
Marktwirtschaft gab, doch in Wahrheit die Kronjuwelen Russlands in staatlicher Hand
beließ oder sie den mit dem Staat verknüpften Oligarchen überreichte, sollte in der
russischen Bevölkerung der Eindruck erzeugt werden, die Marktwirtschaft habe
schon in ihrem Anfangsstadium versagt. Das Volk gab die Schuld für den Absturz
des Lebensstandards den marktwirtschaftlichen Reformern wie Tschubais und der
neu entstandenen Milliardärs-Schicht, die sich selbst als „Kapitalisten“ bezeichneten,
um den Eindruck zu erwecken, sie seien ernsthaft daran interessiert, Russland freie
Märkte zu geben. Das verbrecherische Verhalten dieser Personengruppe wurde generell
mit freier Marktwirtschaft und Kapitalismus gleichgesetzt, womit die Grundlage für
ein Wiedererstarken der kommunistischen Ideologie erschaffen wurde. Tschubais
appellierte in der Öffentlichkeit mit nahezu religiöser Inbrunst an die Kraft des freien
nichts mehr mitzureden. Mit seinem Gutscheinprogramm hatte das „Staatskomitee
für Eigentum“ von Anatoliy Tschubais Mitte der Neunziger einen großen Teil
der russischen Wirtschaft „privatisiert“. Dabei waren in der Tat viele Klein- und
Mittelstandsfirmen geschaffen worden, die zwar meist von Günstlingen des Systems
geleitet wurden, sich dennoch dem nationalen und internationalen Wettbewerb stellen
mussten. Die größten Unternehmen hatte Tschubais aber noch nicht angerührt: Öl-,
Gas- und Mineralstofffabriken, Telekommunikation und Militärindustrie wurden
immer noch von den denselben Leuten geleitet, die schon zu Sowjetzeiten das Ruder
in der Hand hatten. Viele schröpften die Konzerne durch Dritthändler, wuschen die
Profite oder bunkerten sie in ausländischen Offshore-Steuerparadiesen.?’”> Die Manager
der großen staatlichen Betriebe wurden als „Direktorenkorps“ bezeichnet. Sie trauerten
den Zeiten der UdSSR nach und glaubten an eine Rückkehr zur Planwirtschaft, die
durch die Wahlerfolge der Kommunistischen Partei in greifbare Nähe gerückt war.
Durch die von Tschubais verordnete „Schocktherapie“, die sich den Anstrich einer
Marktwirtschaft gab, doch in Wahrheit die Kronjuwelen Russlands in staatlicher Hand
beließ oder sie den mit dem Staat verknüpften Oligarchen überreichte, sollte in der
russischen Bevölkerung der Eindruck erzeugt werden, die Marktwirtschaft habe
schon in ihrem Anfangsstadium versagt. Das Volk gab die Schuld für den Absturz
des Lebensstandards den marktwirtschaftlichen Reformern wie Tschubais und der
neu entstandenen Milliardärs-Schicht, die sich selbst als „Kapitalisten“ bezeichneten,
um den Eindruck zu erwecken, sie seien ernsthaft daran interessiert, Russland freie
Märkte zu geben. Das verbrecherische Verhalten dieser Personengruppe wurde generell
mit freier Marktwirtschaft und Kapitalismus gleichgesetzt, womit die Grundlage für
ein Wiedererstarken der kommunistischen Ideologie erschaffen wurde. Tschubais
appellierte in der Öffentlichkeit mit nahezu religiöser Inbrunst an die Kraft des freien
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