von
36
Milliarden
Dollar
und
verteilte
lediglich
ein
Drittel
davon
an
die
Russen.
Für den einzelnen Russen bedeutete dies: 80 Dollar als Entschädigung für über 70
Jahre Kommunismus. Schon um das Jahr 1990 herum, hatte die Sowjet-Elite damit
begonnen, ihre Finanzmittel auf durchsichtigen Kanälen ins westliche Ausland zu
transferieren. Die Summe des außer Landes gebrachten Sowjetvermögens wird auf
500 Milliarden Dollar geschätzt. Nun bekamen die Normalbürger einen Bruchteil
davon: 12 Milliarden Dollar in Gutscheinen, die von der russischen Zentralbank
frisch gedruckt worden waren. Diese Gutscheine mussten in den Aktien jener rund
4300 Großunternehmen angelegt werden, die der Staat zur Privatisierung ausersehen
hatte. Die sogenannte „Privatisierung“ stellte für den Normalbürger einen 80
Dollar Gutschein dar, den er nun in die Aktien eines Unternehmens investieren
durfte, dessen Erfolgsaussichten ihm vollkommen ungewiss waren. Das Leben im
Kommunismus hatte den Russen jeglichen Unternehmergeist oder ein wirtschaftliches
Gespür ausgetrieben. Die Russen bekamen die Gutscheine, doch wussten sie nicht, was
sie mit ihnen anfangen sollten. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage, tauschten
Millionen Russen die Gutscheine auf dem Schwarzmarkt in Rubel um und kauften
von dem Geld Waren, anstatt Wertpapiere. Die alte russische Nomenklatura wusste
hingegen, in welche Betriebe sie zu investieren hatte und kaufte deren Aktien. Dabei
stachen v.a. die Jungunternehmer aus der kommunistischen Jugendorganisation
Komsomol hervor, die von Präsident Gorbatschow schon 1988 im Zuge der
Perestroika die exklusive Erlaubnis bekommen hatten, in der Sowjetunion kleine
Unternehmen zu gründen. So konnten sie hohe Profite erzielen und innerhalb von
zwei Jahren ein Privatvermögen erwirtschaften, von dem der durchschnittliche russische
Arbeiter nur träumen konnte. Dieser hatte nun mal nicht das Recht, eine Firma zu
gründen und besaß nicht die Protektion der herrschenden Elite, was auch im neuen
Russland die wichtigste Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg darstellte. Wer bisher
kein Vermögen hatte, hatte auch keine Chance, angemessen von der Privatisierung zu
profitieren. Was waren schon 80-Dollar-Aktien, wenn ein Komsomol-Unternehmer
einen ganzen Staatsbetrieb für eine Million Dollar aufkaufte, dessen Wert sich in den
nächsten Jahren verzigfachen sollte?
Für den einzelnen Russen bedeutete dies: 80 Dollar als Entschädigung für über 70
Jahre Kommunismus. Schon um das Jahr 1990 herum, hatte die Sowjet-Elite damit
begonnen, ihre Finanzmittel auf durchsichtigen Kanälen ins westliche Ausland zu
transferieren. Die Summe des außer Landes gebrachten Sowjetvermögens wird auf
500 Milliarden Dollar geschätzt. Nun bekamen die Normalbürger einen Bruchteil
davon: 12 Milliarden Dollar in Gutscheinen, die von der russischen Zentralbank
frisch gedruckt worden waren. Diese Gutscheine mussten in den Aktien jener rund
4300 Großunternehmen angelegt werden, die der Staat zur Privatisierung ausersehen
hatte. Die sogenannte „Privatisierung“ stellte für den Normalbürger einen 80
Dollar Gutschein dar, den er nun in die Aktien eines Unternehmens investieren
durfte, dessen Erfolgsaussichten ihm vollkommen ungewiss waren. Das Leben im
Kommunismus hatte den Russen jeglichen Unternehmergeist oder ein wirtschaftliches
Gespür ausgetrieben. Die Russen bekamen die Gutscheine, doch wussten sie nicht, was
sie mit ihnen anfangen sollten. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage, tauschten
Millionen Russen die Gutscheine auf dem Schwarzmarkt in Rubel um und kauften
von dem Geld Waren, anstatt Wertpapiere. Die alte russische Nomenklatura wusste
hingegen, in welche Betriebe sie zu investieren hatte und kaufte deren Aktien. Dabei
stachen v.a. die Jungunternehmer aus der kommunistischen Jugendorganisation
Komsomol hervor, die von Präsident Gorbatschow schon 1988 im Zuge der
Perestroika die exklusive Erlaubnis bekommen hatten, in der Sowjetunion kleine
Unternehmen zu gründen. So konnten sie hohe Profite erzielen und innerhalb von
zwei Jahren ein Privatvermögen erwirtschaften, von dem der durchschnittliche russische
Arbeiter nur träumen konnte. Dieser hatte nun mal nicht das Recht, eine Firma zu
gründen und besaß nicht die Protektion der herrschenden Elite, was auch im neuen
Russland die wichtigste Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg darstellte. Wer bisher
kein Vermögen hatte, hatte auch keine Chance, angemessen von der Privatisierung zu
profitieren. Was waren schon 80-Dollar-Aktien, wenn ein Komsomol-Unternehmer
einen ganzen Staatsbetrieb für eine Million Dollar aufkaufte, dessen Wert sich in den
nächsten Jahren verzigfachen sollte?
Die
vier
Gruppen,
die
schon
in
der
Sowjetunion
über
Geldmittel
verfügten
und
deshalb auch von dem Verkauf des Staatsbesitzes profitierten, waren: Die Komsomol-
Unternehmer, die alten Apparatschiks, die Ex-Direktoren der kommunistischen
Betriebe und die illegalen Schwarzmarkt-Händler. Auch zu Sowjetzeiten hatte es im
ganzen Land lokale kriminelle Banden gegeben, die neben Schwarzmarktgeschäften
auch Drogenhandel, Glücksspiel und Prostitution betrieben. Da das organisierte
Verbrechen in jedem Staat eng mit der Regierung vernetzt ist, gibt es keinen Grund
anzunehmen, dass dies nicht auch in der Sowjetunion der Fall war. Mit der Öffnung
der Wirtschaft bekamen die Kriminellen die Chance, ihr illegales Geld zu waschen
und in profitträchtige legale Unternehmungen einzusteigen. Gleichzeitig entstanden
unter der Regie des KGB neue Mafia-Banden, die aufstrebende Unternehmer aus
der russischen Unterschicht durch Schutzgelderpressungen unter Druck setzten. Die
sogenannten „Oligarchen“, die die Filetstücke der russischen Wirtschaft an sich
deshalb auch von dem Verkauf des Staatsbesitzes profitierten, waren: Die Komsomol-
Unternehmer, die alten Apparatschiks, die Ex-Direktoren der kommunistischen
Betriebe und die illegalen Schwarzmarkt-Händler. Auch zu Sowjetzeiten hatte es im
ganzen Land lokale kriminelle Banden gegeben, die neben Schwarzmarktgeschäften
auch Drogenhandel, Glücksspiel und Prostitution betrieben. Da das organisierte
Verbrechen in jedem Staat eng mit der Regierung vernetzt ist, gibt es keinen Grund
anzunehmen, dass dies nicht auch in der Sowjetunion der Fall war. Mit der Öffnung
der Wirtschaft bekamen die Kriminellen die Chance, ihr illegales Geld zu waschen
und in profitträchtige legale Unternehmungen einzusteigen. Gleichzeitig entstanden
unter der Regie des KGB neue Mafia-Banden, die aufstrebende Unternehmer aus
der russischen Unterschicht durch Schutzgelderpressungen unter Druck setzten. Die
sogenannten „Oligarchen“, die die Filetstücke der russischen Wirtschaft an sich
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