C.
Die
russische
Wirtschaft
C.1. Putins Maximalstaatshölle
C.1. Putins Maximalstaatshölle
Die
auf
den
Untergang
des
Sowjetimperiums
folgende
Pseudoprivatisierung,
die sich bei genauerer Betrachtung als Re-Sowjetisierung unter dem Deckmantel der
Marktwirtschaft entpuppte, war von der Kommunistischen Partei bereits Ende der
70er-Jahre in die Wege geleitet worden. Die alten kommunistischen Herrscher
wollten ihren Untertanen den Kapitalismus als den von ihnen prophezeiten
Albtraum verkaufen, sodass sie nach allerlei Torturen eine Rückkehr zur
kommunistischen Ideologie fordern sollten. In einem seiner zahllosen Memoranden
an die CIA, die allesamt auf taube Ohren stießen, versuchte Anatoliy Golitsyn im
Herbst 1990 die wahre Natur der neuen russischen Marktwirtschaft zu erklären: Der
Westen versteht nicht den radikalen Unterschied zwischen einer echten kapitalistischen
westlichen Wirtschaft und einer sowjetischen Quasi-Marktwirtschaft. Im Westen besitzen
und führen die kapitalistischen Klassen vom GrofSindustriellen bis zum kleinen
Ladenbesitzer ihre Geschäfte. Die UdSSR hat ihre kapitalistischen Klassen physisch
eliminiert. Die Partei und der Staat werden die Schlüsselindustrien auch weiterhin
besitzen und leiten. Nur kalkulierte Marktelemente werden in etwas eingeführt werden,
das auch weiterhin grundsätzlich eine Planwirtschaft bleiben wird. Der Westen und
die internationalen Finanzinstitutionen sind naiv, wenn sie etwas anderes erwarten.“®
Den Eindruck, den der russische Normalbürger von der freien Marktwirtschaft
bekommen sollte, war, dass es unter dem kommunistischen System trotz aller
Entbehrungen leichter war, seinen Alltag zu bewältigen, da der Staat ihn mit den
nötigsten Gütern versorgte. Zu seiner Verwunderung nahm seine wirtschaftliche
Not nach den vermeintlichen wirtschaftlichen Liberalisierungen in den meisten Fällen
weiter zu.
die sich bei genauerer Betrachtung als Re-Sowjetisierung unter dem Deckmantel der
Marktwirtschaft entpuppte, war von der Kommunistischen Partei bereits Ende der
70er-Jahre in die Wege geleitet worden. Die alten kommunistischen Herrscher
wollten ihren Untertanen den Kapitalismus als den von ihnen prophezeiten
Albtraum verkaufen, sodass sie nach allerlei Torturen eine Rückkehr zur
kommunistischen Ideologie fordern sollten. In einem seiner zahllosen Memoranden
an die CIA, die allesamt auf taube Ohren stießen, versuchte Anatoliy Golitsyn im
Herbst 1990 die wahre Natur der neuen russischen Marktwirtschaft zu erklären: Der
Westen versteht nicht den radikalen Unterschied zwischen einer echten kapitalistischen
westlichen Wirtschaft und einer sowjetischen Quasi-Marktwirtschaft. Im Westen besitzen
und führen die kapitalistischen Klassen vom GrofSindustriellen bis zum kleinen
Ladenbesitzer ihre Geschäfte. Die UdSSR hat ihre kapitalistischen Klassen physisch
eliminiert. Die Partei und der Staat werden die Schlüsselindustrien auch weiterhin
besitzen und leiten. Nur kalkulierte Marktelemente werden in etwas eingeführt werden,
das auch weiterhin grundsätzlich eine Planwirtschaft bleiben wird. Der Westen und
die internationalen Finanzinstitutionen sind naiv, wenn sie etwas anderes erwarten.“®
Den Eindruck, den der russische Normalbürger von der freien Marktwirtschaft
bekommen sollte, war, dass es unter dem kommunistischen System trotz aller
Entbehrungen leichter war, seinen Alltag zu bewältigen, da der Staat ihn mit den
nötigsten Gütern versorgte. Zu seiner Verwunderung nahm seine wirtschaftliche
Not nach den vermeintlichen wirtschaftlichen Liberalisierungen in den meisten Fällen
weiter zu.
Die
Privatisierung
des
sowjetischen
Staatsvermögens
vollzog
sich
in
zwei
Phasen,
die
beide kaum etwas an den ehemaligen Besitzverhältnissen in der Sowjetunion änderten.
In der ersten Phase nach dem Ende der sowjetischen Planwirtschaft, wurde 1992 unter
den führenden Reformern Jegor Gaidar und Anatoliy Tschubais das alte sowjetische
Staatseigentum zu gleichen Teilen an die russische Bevölkerung verteilt - so die Version
der Behörden und der zwei Reformer, die beide dem kommunistischen Staatsapparat
treu gedient hatten. Schon unter Gorbatschow waren Tschubais und Gaidar für ihre
Aufgabe geschult worden, die russische Wirtschaft oberflächlich zu reformieren,
doch dabei möglichst wenig an den alten Strukturen zu rütteln. Die Rückführung
des sowjetischen Staatseigentums an das Volk verlief folgendermaßen: Jeder Bürger
bekam einen Aktien-Gutschein im Wert von 10 000 Rubel (80 Dollar) geschenkt.
Das entsprach im damaligen Russland zwei monatlichen Durchschnittslöhnen.
Das Staatskomitee für Eigentum hatte zuvor den Wert des gesamten russischen
Industrie-Anlagevermögens errechnet. 35 Prozent dieses Anlagevermögens (12 Mrd.
Dollar) wurden unter den 150 Millionen Russen verteilt. Die russische Regierung
schätzte das gesamte russische Staatseigentum auf den extrem niedrigen Wert
beide kaum etwas an den ehemaligen Besitzverhältnissen in der Sowjetunion änderten.
In der ersten Phase nach dem Ende der sowjetischen Planwirtschaft, wurde 1992 unter
den führenden Reformern Jegor Gaidar und Anatoliy Tschubais das alte sowjetische
Staatseigentum zu gleichen Teilen an die russische Bevölkerung verteilt - so die Version
der Behörden und der zwei Reformer, die beide dem kommunistischen Staatsapparat
treu gedient hatten. Schon unter Gorbatschow waren Tschubais und Gaidar für ihre
Aufgabe geschult worden, die russische Wirtschaft oberflächlich zu reformieren,
doch dabei möglichst wenig an den alten Strukturen zu rütteln. Die Rückführung
des sowjetischen Staatseigentums an das Volk verlief folgendermaßen: Jeder Bürger
bekam einen Aktien-Gutschein im Wert von 10 000 Rubel (80 Dollar) geschenkt.
Das entsprach im damaligen Russland zwei monatlichen Durchschnittslöhnen.
Das Staatskomitee für Eigentum hatte zuvor den Wert des gesamten russischen
Industrie-Anlagevermögens errechnet. 35 Prozent dieses Anlagevermögens (12 Mrd.
Dollar) wurden unter den 150 Millionen Russen verteilt. Die russische Regierung
schätzte das gesamte russische Staatseigentum auf den extrem niedrigen Wert
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