Muscheln zu sehen waren. Der Personenkult um den russischen Präsidenten nimmt
immer absurdere Züge an.

Die gleichgeschaltete Presse schützt die Rechtsverstöße der Regierung, Skandale
werden nicht publik und die Opposition findet kaum noch statt. Die Journalisten
sind Propagandisten und Agitatoren. Die Medien vermitteln den Eindruck, als gäbe
es keinerlei Alternative zu der herrschenden Regierungspartei. So kann Putin auch
vertuschen, dass 55 Prozent der russischen Wähler nicht daran glauben, dass die
Wahlen die Meinung des Volkes widerspiegeln.“ Die Wahlfälschungen in Russland
sind wohldokumentiert und weitaus offensichtlicher als im Westen. Kaum eine Region
Russlands, aus der nicht von haarsträubenden Betrügereien und Unregelmäßigkeiten
beim Urnengang zu hören war. Die kritische Wahlbeobachtungsorganisation „Golos“,
die bereits vor den Wahlen 2011 massive Regelverstöße bemerkt hatte, wurde in den
Medien als fünfte Kolonne Washingtons attackiert. In der Tat bekam Golos seine
Finanzmittel aus den USA, doch warum sollte man sie anfeinden, wenn man selbst
nichts zu verbergen hat? Die Kritik am Ablauf der Wahlen wurde auch von einem
großen Teil der russischen Zivilbevölkerung wärmstens begrüßt.

Da Politiker im Westen natürlich auch korrupt sind und Wahlfälschung sicherlich
auch an der Tagesordnung, kann Putin jegliche Frage nach Pressefreiheit in Russland
mit dem Hinweis auf die Doppelmoral des Westens beiseite wischen. Auf die Frage
eines deutschen Journalisten beim EU-Russland-Gipfel 2007 in Samara, ob er wirklich
ein „lupenreiner Demokrat“ sei, antwortete er: Gibt es denn irgendwo eine lupenreine
Demokratie? In Deutschland zum Beispiel?”* Jede Rechtfertigung Putins vor dem Westen
läuft nach diesem Muster: Putin sagt, er habe ein reines Gewissen, weil der Westen
nicht besser sei als Russland. So wie ein Arzt, der einen Kranken nicht behandelt, nur
weil es irgendwo auf der Welt Menschen gibt, die genauso krank sind wie der Patient.
So arbeiten auch die alternativen Medien, die beim Thema „Russland“ ständig ein Auge
zudrücken, da der immer unfreier werdende Westen inzwischen im Glashaus sitzt.

140