Partnerschaft mit den Russen ein, lobten Präsident Putins Wirtschaftsreformen und
seine Bereitschaft zu mehr Kooperation mit dem Westen. Das passt nicht mit dem
von Ulfkotte beschriebenen Ziel, westliche Eliten von der geistigen Blockbildung mit
Russland abzuhalten, zusammen.

Da sich Ulfkotte jegliche Kritik an der russischen Presse erspart, muss seine Kritik
an der deutschen Presse mit Vorsicht genossen werden. So schreibt er: Und wie wir
sehen, ist auch die ‚Pressefreiheit‘ bei diesem Theater eine gut gespielte Illusion.’ Da muss
man Ulfkotte definitiv widersprechen, denn die Pressefreiheit in Deutschland ist
real: Wurde jemals eines von Ulfkottes Büchern verboten? Wurde er schon mal
mit dem Leben bedroht? Sterben jährlich Dutzende deutscher Journalisten? Wann
wurde überhaupt mal ein Buch verboten? Macht Ulfkottes unabhängiger Kopp-
Verlag nicht Millionenumsätze?

Ist die Pressefreiheit hier in Deutschland also extrem eingeschränkt? Nein! Das
Problem ist jedoch, dass die großen Medienkonzerne und der staatliche Rundfunk in
Deutschland immer noch die Meinungsmacht besitzen. Sie haben das nötige Geld von
Unternehmen, Staat und Stiftungen, um das Volk täglich mit Propaganda zu berieseln.
Dass sie den Zuschauer anlügen, bedeutet nicht, dass sie die Pressefreiheit allgemein
einschränken. Sie schränken die Pressefreiheit nur bei sich ein. Wer wurde aber je
daran gehindert, ein eigenes Buch zu schreiben, seinen eigenen Blog, Verlag oder
Youtube-Kanal zu starten? Sicher gibt es auch hierfür Beispiele, doch sie halten
sich in Grenzen. Ulfkotte schreibt selbst darüber, wie die großen Zeitungsblätter in
Deutschland an Auflage verlieren und seine Bücher sich zu Bestsellern entwickeln.
Die Bücher des Kopp-Verlags strotzen nur so vor scharfer Kritik an der deutschen
Regierung. Dafür gewinnt der Verlag täglich dankbare Leser. Wäre dies so auch so
reibungslos in Russland möglich?

Wie hart die Rahmenbedingungen für unabhängigen Journalismus in Russland
sind, zeigt sich an der Zeitung „Nowaja Gaseta®, eine der letzten regimekritischen
Zeitungen Russlands. Die Zeitung wird nicht vom Staat oder dem Medienimperium
eines Oligarchen gefördert und ist deshalb ein Dorn im Auge der russischen Elite.
Seit dem Jahr 2000 wurden fünf Mitarbeiter der Nowaja Gaseta ermordet. Ihre
Rechtsanwälte sind jährlich mit 20 bis 30 Klagen gegen die Zeitung in Höhe von
mehreren Millionen Dollar beschäftigt. Immer wieder kommt es zu „dringenden
Kontrollen“ durch die russischen Finanzbehörden oder auch die Brandschutzbehorden,
bei denen die Redaktionsarbeit gestört wird.?* Zudem lebt die Zeitung in erster Linie
von Werbung und die unterlduft in Russland ein staatliches Genehmigungsverfahren,
bei dem die Nowaja Gaseta immer wieder benachteiligt wird. *°° Am 12. März 2015
sagte Chefredakteur Muratow in einem Interview, dass die Einstellung der Papierausgabe
nach dem 9. Mai wahrscheinlich sei, da der Hauptaktionir seine Zahlungen eingestellt
habe und es praktisch keine Anzeigenkunden gebe. Nowaja Gaseta könne nicht mit
den vom Staat subventionierten Medien konkurrieren.“

Da man in Putins Russland als Journalist fiir seine Meinung nicht selten mit
dem Leben bezahlen muss, ist es verstindlich, dass Oppositionszeitungen wie die
Nowaja Gaseta Sympathien fiir den deutlich freieren Westen hegen. Das macht sie

136