Roma sowie gegen Homosexuelle. Djomuschkin sagt, er habe mehrere Menschen
getötet. Die Behörden würden ihn aber nicht antasten, weil der Staat ihn und seine
Männer brauche, damit sie im Notfall gegen Demonstrationen und prowestliche
Revolutionen in der Ukraine auf die Straße gingen. Djomuschkin behauptet, er habe
Kontakte zum Präsidialamt, trinke schon mal ein Bier mit Kremlbeamten, und seine
Kämpfer trainierten in einem Club, der der Kreml-Partei „Einiges Russland“ gehöre.
Die Taktik ist wohl so alt wie Staaten selbst: Man erzeugt eine künstliche Bedrohung
und redet den Bürgern ein, sie könnten mit dieser Gefahr nicht alleine fertig werden.
Damit rechtfertigt man als Regierung seine autoritäre Herrschaft. (siehe S. 93)

Mutige Journalisten, die solche Skandale aufdecken, sind in allen Ländern
nötig, um ihre Machthaber zu mäßigen. In Russland sowie in Deutschland findet
man leider immer weniger Schreiber, die daran interessiert sind, die dunklen
Machenschaften ihrer Politik aufzudecken. Die enge Kooperation zwischen
Rechtsradikalen und Staatlichen Organen trat zuletzt beim Gerichtsverfahren
gegen die rechtsterroristische Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“
(NSU) zutage. Der rechtsradikalen Gruppe wird der Mord an neun Immigranten
vorgeworfen, doch die Beweise deuteten eindeutig auf eine Mitwirkung des deutschen
Verfassungsschutzes bei den Morden. Der Verfassungsschutz-Agent Andreas Thimme
befand sich bei sechs der neun Morde in unmittelbarer Nähe des Tatorts. Der
Verfassungsschutz ließ kurz nach dem Auffliegen der Terrorgruppe im November 2011
wichtige Akten zu der rechtsextremen Organisation vernichten, die allem Anschein
nach Daten über mögliche NSU-Helfer enthielten. Ein riesiger Skandal, der die
Behörden in massive Bedrängnis brachte.

Bedauerlicherweise war es ausgerechnet Elsässers Compact-Magazin, das die
Geheimdienstbeteiligung an den NSU-Morden als erstes aufdeckte. In diesem Fall
arbeitete Elsässer so mustergültig, wie man es von einem unabhängigen Journalisten
erwartet. Erlegte Widersprüche offen, sammelte Beweise und behandeltedie Geschehnisse
sachlich, ohne ihnen den sonst für das Compact-Magazin üblichen russlandfreundlichen
Spin zu verpassen. Elsässers Einschätzungen zum NSU bewahrheiteten sich, sodass
auch der Mainstream nicht umhin kam, über die Verbindungen zwischen der Nazi-
Organisation und dem Verfassungsschutz zu berichten. Das verschaffte Elsässer eine
hohe Glaubwürdigkeit und dem Compact-Magazin tausende neuer Abonnenten.
Das Problem dabei ist nur, dass Elsässer das Vertrauen seiner Leser auch bei seinen
Artikeln über Geopolitik genießt. Wenn ein deutscher Putin-Fan über die vom
Geheimdienst gesteuerten Neonazis schreibt, gelangt der Leser - bewusst oder
unbewusst - zu der Schlussfolgerung, dass Putin solche Machenschaften niemals
zulassen würde. Dabei läuft die geheime Unterstützung Rechtsradikaler wie im
Falle des „Slawischen Bunds“ noch offensichtlicher ab als in Deutschland.

Dabei erdreistet sich die russische Regierung, trotz der vom Staat geförderten
Intoleranz-Welle, den Faschismus einfach auf den Westen zu schieben. Russland
ist inzwischen dazu übergegangen, alle Gegner der Staatsmacht als „Faschisten“ zu
verunglimpfen. Das scheint Teil einer lang geplanten PR-Strategie zu sein, durch
die man unterschwellige Assoziationen mit der Bedrohung durch Nazi-Deutschland

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