sehr
geradlinig
und
vertrauenswürdig
und
Putin
behauptet,
er
habe
schon
beim
ersten
Blick in die Augen die Seele dieses Mannes erkennen können.‘” Verständlich, denn
George W. Bush gibt sich alle Mühe, in Putins blutige Fußstapfen zu treten. Es hat den
Anschein, als hätten wir es bei Bush mit einem Klon des russischen Präsidenten zu tun:
Die Nähe zu den Geheimdiensten, der Aufbau eines radikalen Pro-Kriegs-Netzwerks
in der Regierung, der Krieg kurz nach Amtsantritt, die Inszenierung als Hardliner, die
schonungslosen Ansprachen gegen die Terroristen, der Appell an den Patriotismus der
Bevölkerung oder die radikalen Überwachungsgesetze gegen die eigenen Bürger. Und
hierbei darf man nie vergessen: Putin hat all dies vor George W. Bush gemacht.
Blick in die Augen die Seele dieses Mannes erkennen können.‘” Verständlich, denn
George W. Bush gibt sich alle Mühe, in Putins blutige Fußstapfen zu treten. Es hat den
Anschein, als hätten wir es bei Bush mit einem Klon des russischen Präsidenten zu tun:
Die Nähe zu den Geheimdiensten, der Aufbau eines radikalen Pro-Kriegs-Netzwerks
in der Regierung, der Krieg kurz nach Amtsantritt, die Inszenierung als Hardliner, die
schonungslosen Ansprachen gegen die Terroristen, der Appell an den Patriotismus der
Bevölkerung oder die radikalen Überwachungsgesetze gegen die eigenen Bürger. Und
hierbei darf man nie vergessen: Putin hat all dies vor George W. Bush gemacht.
Dabei
verhielt
sich
Putin
ähnlich
plump
und
rüpelhaft,
wie
der
von
der
ganzen
Welt geschmähte texanische Cowboy. Die Erwähnung des Tschetschenienkriegs
brachte Putin sofort in Rage und er ließ seinen Emotionen in der Öffentlichkeit
freien Lauf. Auf die Frage eines französischen Journalisten: Könnte es sein, dass Sie statt
der Terroristen die tschetschenische Zivilbevölkerung vernichten werden? wurde Putin
kreidebleich und verlor die Beherrschung: Falls Sie radikaler Muslim werden wollen
und sich eine Beschneidung wünschen, dann sollten sie nach Moskau kommen. Wir Russen
haben viele Talente und Spezialisten auf jedem Gebiet. Ich empfehle Ihnen, die Operation
so gründlich zu machen, dass dort unten nie wieder etwas wächst.” Dagegen wirkten
die Fauxpas des amerikanischen Präsidenten geradezu harmlos, doch Putins prolliger
Zynismus wurde im Westen zu selten thematisiert. Die beiden verband ihr Hang zu
Größenwahn, aufgesetztem Patriotismus und Großmachtstreben. Putins Machtantritt
war mit dem Aufleben eines neuen diffusen Nationalgefühls verbunden, das Amerika
nach dem 11. September ebenfalls befallen sollte. Putin mobilisierte gegen einen
gemeinsamen Feind: Die Tschetschenen. Zwar war laut Putins Propaganda nicht jeder
Tschetschene ein Terrorist, doch die Bürger Zentralrusslands waren gewarnt vor den
dunkelhaarigen Kaukasiern mit ihren sonnenverbrannten Gesichtern. Jeder von ihnen
konnte der potenzielle Drahtzieher eines Attentats sein. Die von der Polizei an allen
Wohnblöcken ausgehängten Plakate ermahnten die Bürger zur Vorsicht, jede verdächtig
— sprich: nicht slawisch - aussehende Person zu melden.‘” Die kaukasische bzw. dunkel
oder in irgendeiner Form verdächtig aussehende Bevölkerung in Russland hatte lange
vor George W. Bushs Startschuss zum „Internationalen Krieg gegen den Terror” unter
der Diskriminierung der russischen Behörden zu leiden, doch nach dem 11. September
wurde der Fremdenhass noch brutaler und willkürlicher: Unablässige Gesichtskontrollen
durch die Polizei auf den Straßen und in Haus und Hof, Gewaltanwendung, Drohungen
und Demütigungen aller Art. Der Extremismus gegen das von der Regierung erfundene
Terrorgespenst drückte sich in Russland allerdings noch deutlich radikaler aus als im
Westen: Unternehmen entließen tschetschenische Mitarbeiter, und Schulen weigerten
sich, Kinder aus Tschetschenien aufzunehmen. Man stelle sich vor, eine Schule in den
USA weigere sich, einen Flüchtling aus Afghanistan aufzunehmen.'”” Das würde im
Westen große Wellen schlagen und für einen riesigen Skandal sorgen. Nicht so in Putins
kontrollierter Presse, die seinem Polizeistaat untergeordnet wurde. (siehe 133 ff.)
Welt geschmähte texanische Cowboy. Die Erwähnung des Tschetschenienkriegs
brachte Putin sofort in Rage und er ließ seinen Emotionen in der Öffentlichkeit
freien Lauf. Auf die Frage eines französischen Journalisten: Könnte es sein, dass Sie statt
der Terroristen die tschetschenische Zivilbevölkerung vernichten werden? wurde Putin
kreidebleich und verlor die Beherrschung: Falls Sie radikaler Muslim werden wollen
und sich eine Beschneidung wünschen, dann sollten sie nach Moskau kommen. Wir Russen
haben viele Talente und Spezialisten auf jedem Gebiet. Ich empfehle Ihnen, die Operation
so gründlich zu machen, dass dort unten nie wieder etwas wächst.” Dagegen wirkten
die Fauxpas des amerikanischen Präsidenten geradezu harmlos, doch Putins prolliger
Zynismus wurde im Westen zu selten thematisiert. Die beiden verband ihr Hang zu
Größenwahn, aufgesetztem Patriotismus und Großmachtstreben. Putins Machtantritt
war mit dem Aufleben eines neuen diffusen Nationalgefühls verbunden, das Amerika
nach dem 11. September ebenfalls befallen sollte. Putin mobilisierte gegen einen
gemeinsamen Feind: Die Tschetschenen. Zwar war laut Putins Propaganda nicht jeder
Tschetschene ein Terrorist, doch die Bürger Zentralrusslands waren gewarnt vor den
dunkelhaarigen Kaukasiern mit ihren sonnenverbrannten Gesichtern. Jeder von ihnen
konnte der potenzielle Drahtzieher eines Attentats sein. Die von der Polizei an allen
Wohnblöcken ausgehängten Plakate ermahnten die Bürger zur Vorsicht, jede verdächtig
— sprich: nicht slawisch - aussehende Person zu melden.‘” Die kaukasische bzw. dunkel
oder in irgendeiner Form verdächtig aussehende Bevölkerung in Russland hatte lange
vor George W. Bushs Startschuss zum „Internationalen Krieg gegen den Terror” unter
der Diskriminierung der russischen Behörden zu leiden, doch nach dem 11. September
wurde der Fremdenhass noch brutaler und willkürlicher: Unablässige Gesichtskontrollen
durch die Polizei auf den Straßen und in Haus und Hof, Gewaltanwendung, Drohungen
und Demütigungen aller Art. Der Extremismus gegen das von der Regierung erfundene
Terrorgespenst drückte sich in Russland allerdings noch deutlich radikaler aus als im
Westen: Unternehmen entließen tschetschenische Mitarbeiter, und Schulen weigerten
sich, Kinder aus Tschetschenien aufzunehmen. Man stelle sich vor, eine Schule in den
USA weigere sich, einen Flüchtling aus Afghanistan aufzunehmen.'”” Das würde im
Westen große Wellen schlagen und für einen riesigen Skandal sorgen. Nicht so in Putins
kontrollierter Presse, die seinem Polizeistaat untergeordnet wurde. (siehe 133 ff.)
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