verblüffende
1
080
000
erfasste
Einwohner
kam,
fast
so
viel
wie
vor
den
Kriegen.
Zuvor hatten diverse Hilfsorganisationen und sogar russische Funktionäre die
Zahl auf die Hälfte geschitzt.'®® Der nach London geflohene tschetschenische
Politiker Achmed Sakajew sprach im Jahr 2005 im Gesprich mit dem russischen
Whistleblower Litwinenko davon, dass 40 Prozent der tschetschenischen
Bevölkerung umgekommen sind.'®*
Zuvor hatten diverse Hilfsorganisationen und sogar russische Funktionäre die
Zahl auf die Hälfte geschitzt.'®® Der nach London geflohene tschetschenische
Politiker Achmed Sakajew sprach im Jahr 2005 im Gesprich mit dem russischen
Whistleblower Litwinenko davon, dass 40 Prozent der tschetschenischen
Bevölkerung umgekommen sind.'®*
Die
Hauptstadt
Grosny
ist
die
seit
dem
zweiten
Weltkrieg
meistbombardierte
Stadt der Welt. Vor dem Krieg zählte die Stadt 400.000 Einwohner, heute ist es schwer
einzuschätzen, wie viele Menschen in der zerstörten Stadt versuchen, zu überleben.
Schätzungen belaufen sich auf 60 000, 80 000 oder 100 000.!® Die Ubriggebliebenen
leben oft in halbzerstérten Wohnungen oder in Kellern ohne Strom, Heizung und
Wasser.'®¢ In Putins Bombenkrieg von Oktober 1999 bis zur Einnahme der Stadt im
Februar 2000, wird der Rest der aus dem ersten Krieg verbliebenen zivilen Infrastruktur
dem Erdboden gleichgemacht. Die Tschetschenen in Grosny leisten erbitterten
Widerstand und tausende von ihnen sterben im viermonatigen Zeitraum der russischen
Belagerung. Putin bombardiert die Stadt mit einem riesigen Arsenal an gegen die
Zivilbevolkerung gerichteten, verbotenen Waffen: Splitterbomben, Senkbomben,
Brandbomben, Boden-Boden-Raketen. Auch chemische Waffen regnen auf Grosny
nieder.'®” Dass Frauen und Kinder dabei nicht verschont werden, versteht sich von
selbst.
Stadt der Welt. Vor dem Krieg zählte die Stadt 400.000 Einwohner, heute ist es schwer
einzuschätzen, wie viele Menschen in der zerstörten Stadt versuchen, zu überleben.
Schätzungen belaufen sich auf 60 000, 80 000 oder 100 000.!® Die Ubriggebliebenen
leben oft in halbzerstérten Wohnungen oder in Kellern ohne Strom, Heizung und
Wasser.'®¢ In Putins Bombenkrieg von Oktober 1999 bis zur Einnahme der Stadt im
Februar 2000, wird der Rest der aus dem ersten Krieg verbliebenen zivilen Infrastruktur
dem Erdboden gleichgemacht. Die Tschetschenen in Grosny leisten erbitterten
Widerstand und tausende von ihnen sterben im viermonatigen Zeitraum der russischen
Belagerung. Putin bombardiert die Stadt mit einem riesigen Arsenal an gegen die
Zivilbevolkerung gerichteten, verbotenen Waffen: Splitterbomben, Senkbomben,
Brandbomben, Boden-Boden-Raketen. Auch chemische Waffen regnen auf Grosny
nieder.'®” Dass Frauen und Kinder dabei nicht verschont werden, versteht sich von
selbst.
Wie
der
Afghanistan-Krieg
zwei
Jahre
später,
entwickelt
sich
der
Tschetschenien-
Konflikt zu einem Krieg, dem hauptsächlich Zivilisten zum Opfer fallen. Im Verlauf
des Krieges werden Dutzende Massengriber mit Leibern von Zivilisten, darunter
zahlreiche Frauen, aufgefunden.'®® Die Zivilisten fallen den üblichen Kriegsverbrechen
wie Hinrichtungen, Folter und Misshandlung zum Opfer. Besonders gefürchtet
bei der Zivilbevölkerung sind die illegalen Durchsuchungsaktionen der russischen
Armee, die durch kein einziges Gesetz der russischen Föderation legitimiert werden.
Die von den Tschetschenen als „Säuberung“ bezeichneten Militäroperationen, die oft
mit Plünderungen einhergehen, laufen nach folgendem Muster ab: Ein Dorf wird
von Panzerfahrzeugen umzingelt, danach herrscht absolute Ausgangssperre. Nun
durchkämmen die russischen Soldaten systematisch das Dorf und dringen illegal
in die Häuser ein, um Pässe zu kontrollieren. Dabei nehmen sich die Soldaten das
Recht heraus, jeden zu verhaften, selbst wenn keinerlei Hinweis auf kriegerische oder
kriminelle Aktivitäten besteht. Schon ein schlecht eingeklebtes Foto, ein „verdächtiges
Ausweispapier“ oder ein unberechtigter Aufenthalt in dem Dorf kann ein hinreichender
Grund für eine Verhaftung sein. Die Verhafteten werden danach in verlassene Gebäude
- sogenannte „Filtrationslager“ - gebracht, in denen sie systematisch misshandelt
und mit Strom gefoltert werden.'® Oft verschwinden die Verhafteten einfach oder
man findet sie später in unweit vom Lager entfernten Massengräbern. Obwohl die
russischen Streitkräfte in der Regel über keinerlei Beweise verfügen und die Männer
vollkommen willkürlich verhaften, müssen sie den legalen Schein dieser Verhaftungen
wahren und auf irgendeine Art beweisen, dass es sich bei den Verhafteten um Kämpfer
handelt. Da es keinen besseren Beweis als ein Geständnis gibt, wird auf das Mittel
Konflikt zu einem Krieg, dem hauptsächlich Zivilisten zum Opfer fallen. Im Verlauf
des Krieges werden Dutzende Massengriber mit Leibern von Zivilisten, darunter
zahlreiche Frauen, aufgefunden.'®® Die Zivilisten fallen den üblichen Kriegsverbrechen
wie Hinrichtungen, Folter und Misshandlung zum Opfer. Besonders gefürchtet
bei der Zivilbevölkerung sind die illegalen Durchsuchungsaktionen der russischen
Armee, die durch kein einziges Gesetz der russischen Föderation legitimiert werden.
Die von den Tschetschenen als „Säuberung“ bezeichneten Militäroperationen, die oft
mit Plünderungen einhergehen, laufen nach folgendem Muster ab: Ein Dorf wird
von Panzerfahrzeugen umzingelt, danach herrscht absolute Ausgangssperre. Nun
durchkämmen die russischen Soldaten systematisch das Dorf und dringen illegal
in die Häuser ein, um Pässe zu kontrollieren. Dabei nehmen sich die Soldaten das
Recht heraus, jeden zu verhaften, selbst wenn keinerlei Hinweis auf kriegerische oder
kriminelle Aktivitäten besteht. Schon ein schlecht eingeklebtes Foto, ein „verdächtiges
Ausweispapier“ oder ein unberechtigter Aufenthalt in dem Dorf kann ein hinreichender
Grund für eine Verhaftung sein. Die Verhafteten werden danach in verlassene Gebäude
- sogenannte „Filtrationslager“ - gebracht, in denen sie systematisch misshandelt
und mit Strom gefoltert werden.'® Oft verschwinden die Verhafteten einfach oder
man findet sie später in unweit vom Lager entfernten Massengräbern. Obwohl die
russischen Streitkräfte in der Regel über keinerlei Beweise verfügen und die Männer
vollkommen willkürlich verhaften, müssen sie den legalen Schein dieser Verhaftungen
wahren und auf irgendeine Art beweisen, dass es sich bei den Verhafteten um Kämpfer
handelt. Da es keinen besseren Beweis als ein Geständnis gibt, wird auf das Mittel
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