in
Moskauer
Wohnhäusern
unschuldige
Zivilisten
sterben
und
sich
kein
Islamist
dazu bekennt?“ Putin kündigt an: Wir werden die Terroristen zermahlen, auch wenn
wir sie ins Scheißhaus verfolgen müssen.” Der zweite Tschetschenien-Krieg kann
losgehen. Im Zusammenspiel mit heftigen Bombardierungen, die bereits Anfang
September begonnen haben, marschiert die russische Armee am 1.Oktober erneut in
Tschetschenien ein. 250 000 Zivilisten flüchten vor den massiven Bombardierungen.'®
Wie in Amerika, zwei Jahre später, löst die Angst vor Terror in Russland eine extrem
nationalistische Stimmung aus. Zeigte die russische Gesellschaft im ersten Krieg
noch Mitleid mit den zivilen Opfern, wird nun ein ganzes Volk als „Terroristen“
gebrandmarkt. Fernsehmoderatoren stellen die Frage, ob in Tschetschenien überhaupt
eine Zivilbevölkerung existiere, die vom Militär geschont werden solle.!®!
dazu bekennt?“ Putin kündigt an: Wir werden die Terroristen zermahlen, auch wenn
wir sie ins Scheißhaus verfolgen müssen.” Der zweite Tschetschenien-Krieg kann
losgehen. Im Zusammenspiel mit heftigen Bombardierungen, die bereits Anfang
September begonnen haben, marschiert die russische Armee am 1.Oktober erneut in
Tschetschenien ein. 250 000 Zivilisten flüchten vor den massiven Bombardierungen.'®
Wie in Amerika, zwei Jahre später, löst die Angst vor Terror in Russland eine extrem
nationalistische Stimmung aus. Zeigte die russische Gesellschaft im ersten Krieg
noch Mitleid mit den zivilen Opfern, wird nun ein ganzes Volk als „Terroristen“
gebrandmarkt. Fernsehmoderatoren stellen die Frage, ob in Tschetschenien überhaupt
eine Zivilbevölkerung existiere, die vom Militär geschont werden solle.!®!
Niemand
vermag
die
Zahl
der
Toten
zu
erfassen,
die
der
Kreml
von
1994
bis
heute
in Tschetschenien hinterlassen hat. Manche Hilfsorganisationen sprechen davon,
dass jeder fünfte Tschetschene in einem der beiden Kriege den Tod fand, doch
Gewissheit gibt es darüber nicht.!®? Die Öffentlichkeit wurde von dem Ereignis nahezu
ausgeschlossen. Journalisten müssen ihre Pressereisen bei einer russischen Behörde
akkreditieren, die natürlich penibel darauf achtet, kritische Beobachter auszuschließen.
Den Journalisten, die es nach Tschetschenien geschafft haben, weichen die Behörden
nicht von der Seite und sie hindern sie daran, sich vor Ort zu bewegen. Ohne vorherige
Genehmigung sind keine Interviews, weder mit Tschetschenen noch mit russischen
Soldaten, möglich. Die Journalistin Anna Politkowskaja gehörte zu den wenigen
Kriegsberichterstattern, die es auch ohne russisches Geleit nach Tschetschenien schaffte
und dort unzensiert berichtete. Dafür musste sie im Jahr 2006 mit ihrem Leben
bezahlen, als sie im Treppenhaus ihres Wohnhauses erschossen wurde.” Als letzte
unabhängige Zeugen auf tschetschenischem Boden bleiben die Mitarbeiter
weniger ausländischer Hilfsorganisationen, die nur für die Einreise einen Berg von
bürokratischen Hindernissen überwinden müssen, die an das alte Sowjetsystem
erinnern. Logischer-weise nehmen sich die humanitären Helfer aufgrund der prekären
Sicherheitslage russischen Schutz, da sie erst durch Russland in das Land gelangen.
Trotz des Schutz-Angebots der Russen kam es in Tschetschenien seit 1994 zu
Ermordungen und Entführungen von Mitarbeitern der Hilfsorganisationen. Deshalb
halten sich kaum noch ausländische Helfer in Tschetschenien auf. Aufgrund des
Unparteilichkeitsprinzips der Hilfsorganisationen erstatten sie sowieso kaum Bericht.
So kann man der russischen Volkszählung aus dem Jahr 2002 kaum trauen, die auf
in Tschetschenien hinterlassen hat. Manche Hilfsorganisationen sprechen davon,
dass jeder fünfte Tschetschene in einem der beiden Kriege den Tod fand, doch
Gewissheit gibt es darüber nicht.!®? Die Öffentlichkeit wurde von dem Ereignis nahezu
ausgeschlossen. Journalisten müssen ihre Pressereisen bei einer russischen Behörde
akkreditieren, die natürlich penibel darauf achtet, kritische Beobachter auszuschließen.
Den Journalisten, die es nach Tschetschenien geschafft haben, weichen die Behörden
nicht von der Seite und sie hindern sie daran, sich vor Ort zu bewegen. Ohne vorherige
Genehmigung sind keine Interviews, weder mit Tschetschenen noch mit russischen
Soldaten, möglich. Die Journalistin Anna Politkowskaja gehörte zu den wenigen
Kriegsberichterstattern, die es auch ohne russisches Geleit nach Tschetschenien schaffte
und dort unzensiert berichtete. Dafür musste sie im Jahr 2006 mit ihrem Leben
bezahlen, als sie im Treppenhaus ihres Wohnhauses erschossen wurde.” Als letzte
unabhängige Zeugen auf tschetschenischem Boden bleiben die Mitarbeiter
weniger ausländischer Hilfsorganisationen, die nur für die Einreise einen Berg von
bürokratischen Hindernissen überwinden müssen, die an das alte Sowjetsystem
erinnern. Logischer-weise nehmen sich die humanitären Helfer aufgrund der prekären
Sicherheitslage russischen Schutz, da sie erst durch Russland in das Land gelangen.
Trotz des Schutz-Angebots der Russen kam es in Tschetschenien seit 1994 zu
Ermordungen und Entführungen von Mitarbeitern der Hilfsorganisationen. Deshalb
halten sich kaum noch ausländische Helfer in Tschetschenien auf. Aufgrund des
Unparteilichkeitsprinzips der Hilfsorganisationen erstatten sie sowieso kaum Bericht.
So kann man der russischen Volkszählung aus dem Jahr 2002 kaum trauen, die auf
*
Putin
verwendete
damals
die
gleiche
Argumentation,
die
die
alternativen
Medien
heute
beim
Tod
von
Boris
Nemzow verwenden. Nachdem er drei Tage mit seinem Beileid auf sich warten ließ, verkündete er, Politkowskaja
sei von seinen politischen Gegnern ermordet worden, um die Schuld auf ihn zu schieben. Die alternative Presse
verkündete nach dem Mord an seinem politischen Gegner Nemzow, Putin habe das geringste Motiv, ihn zu er-
morden, da solch ein politischer Auftragsmord Wasser auf die Mühlen seiner politischen Gegner wäre. Nach dieser
Argumentation kann der Mann, der am ehesten im Verdacht steht, jemand ermordet zu haben, nicht der Mörder
sein, weil er ja weiß, dass er des Mords beschuldigt werden wird. Christoph Hörstel sagte z.B.: Es ist geradezu
wahnsinnig, der Opposition einen solchen Trumpf - einen Märtyrer- in die Hand zu spielen. Das tut Putin ganz be-
stimmt nicht. Im Gegenteil: Es ist eher der Westen, dem dieses zuzueignen wäre.‘® Skandalöserweise übernahmen viele -
Mainstream-Medien damals beim Tod Politkowkajas die Erklärung, die heute die alternativen Medien anführen.
Nemzow verwenden. Nachdem er drei Tage mit seinem Beileid auf sich warten ließ, verkündete er, Politkowskaja
sei von seinen politischen Gegnern ermordet worden, um die Schuld auf ihn zu schieben. Die alternative Presse
verkündete nach dem Mord an seinem politischen Gegner Nemzow, Putin habe das geringste Motiv, ihn zu er-
morden, da solch ein politischer Auftragsmord Wasser auf die Mühlen seiner politischen Gegner wäre. Nach dieser
Argumentation kann der Mann, der am ehesten im Verdacht steht, jemand ermordet zu haben, nicht der Mörder
sein, weil er ja weiß, dass er des Mords beschuldigt werden wird. Christoph Hörstel sagte z.B.: Es ist geradezu
wahnsinnig, der Opposition einen solchen Trumpf - einen Märtyrer- in die Hand zu spielen. Das tut Putin ganz be-
stimmt nicht. Im Gegenteil: Es ist eher der Westen, dem dieses zuzueignen wäre.‘® Skandalöserweise übernahmen viele -
Mainstream-Medien damals beim Tod Politkowkajas die Erklärung, die heute die alternativen Medien anführen.
107