Islamisten
einzuwenden
hatten.
Der
Premierminister
Stepaschin
hörte
sich
Beresowskis
Bericht über Udugows Pläne genau an. Im Frühjahr 2000 enthüllte Stepaschin, dass
der Kreml die Planungen für den Einmarsch in Tschetschenien bereits im März 1999
begonnen hatte.'® Bassajew handelte im Sinne der russischen Regierung, denn die
entsandte im August 1999 zwar eilig Truppen nach Dagestan, um die aufständischen
Dörfer in Schutt und Asche zu bombardieren, ließ die tschetschenischen Extremisten
jedoch ungehindert ihren Rückzug ins Heimatland antreten.'©* Schließlich brauchte
man sie noch als Vorwand, um Tschetschenien anzugreifen.
Bericht über Udugows Pläne genau an. Im Frühjahr 2000 enthüllte Stepaschin, dass
der Kreml die Planungen für den Einmarsch in Tschetschenien bereits im März 1999
begonnen hatte.'® Bassajew handelte im Sinne der russischen Regierung, denn die
entsandte im August 1999 zwar eilig Truppen nach Dagestan, um die aufständischen
Dörfer in Schutt und Asche zu bombardieren, ließ die tschetschenischen Extremisten
jedoch ungehindert ihren Rückzug ins Heimatland antreten.'©* Schließlich brauchte
man sie noch als Vorwand, um Tschetschenien anzugreifen.
Wladimir
Putin
wurde
am
25.
Juli
1998
zum
Direktor
des
Geheimdiensts
FSB ernannt, am 29. März 1999 wurde er zum Generalsekretär des russischen
Nationalen Sicherheitsrats gemacht, womit er der Hauptverantwortliche für die
Tschetschenienpolitik des Landes war. Gleichzeitig blieb Putin als FSB-Direktor im
Amt, was ihm eine außerordentliche Machtfülle sicherte. Am 15. April 1999 postierte
Russland Tausende zusätzliche Polizisten und Streitkräfte an der tschetschenischen
Grenze. !°
FSB ernannt, am 29. März 1999 wurde er zum Generalsekretär des russischen
Nationalen Sicherheitsrats gemacht, womit er der Hauptverantwortliche für die
Tschetschenienpolitik des Landes war. Gleichzeitig blieb Putin als FSB-Direktor im
Amt, was ihm eine außerordentliche Machtfülle sicherte. Am 15. April 1999 postierte
Russland Tausende zusätzliche Polizisten und Streitkräfte an der tschetschenischen
Grenze. !°
Kurz
vor
dem
Beginn
des
Krieges
setzte
Jelzin
den
alten
Premierminister
Stepaschin
ab und übergab das Amt an Putin. Putin war der ideale Mann, um den Krieg für den
kraftlosen und schwerkranken Jelzin zu führen. Er war nicht aus Zufall an die Macht
gekommen, wie so manche seiner Befürworter in den alternativen Medien behaupten,
sondern wurde von Jelzin ausgewählt, um die finsteren Veruntreuungsgeschäfte
des ehemaligen Kreml-Chefs zu verheimlichen und ihm Straffreiheit zu gewähren.
Die Mainstream-Version von Putins Aufstieg ist auch ohne das Wissen über eine
Langzeitstrategie skandalös genug: Die „Semja“ auf Deutsch: „Familie“, wie die Russen
Jelzins Angehörige und Freunde nannten, bereicherte sich derart, dass Kritiker von einem
der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts sprachen. Zwielichtige Geschäftsmänner
wie Boris Beresowski, die enge Kontakte zu Jelzins Tochter Tatjana pflegten, kamen
zu Milliardenvermögen. Russlands Reichtümer wurden zu Spottpreisen an Günstlinge
des Präsidenten versteigert, die sich die Kaufsumme sogar teilweise beim Staat leihen
durften. Im Gegenzug füllten die Oligarchen Jelzins Wahlkampfkassen und auch die
Privatschatullen seiner Familie. Nach der Hyperinflation im Jahr 1998 war der Staat
zahlungsunfähig und die russische Unzufriedenheit hatte einen weiteren Höhepunkt
erreicht. Jelzin wusste, dass ihm die Zügel aus der Hand glitten und die Opposition
das Ruder übernahm. Das von Jelzin gestohlene Vermögen und sogar die Freiheit
des Präsidenten und seiner „Familie“ wären bei einem Wahlsieg der Opposition in
Gefahr gewesen. Deshalb ging Jelzin 1998 einen Deal mit dem noch stark sowjetisch
orientierten Sicherheitsapparat - insbesondere dem Geheimdienst FSB (Nachfolger
des KGB) - ein, um von ihm eine Sicherheitsgarantie zu bekommen. Jelzin wollte
sein Vermögen sichern und dabei sich selbst und seine Vertrauten vor der russischen
Justiz schützen. Im Gegenzug garantierte er der noch in den Kategorien der Sowjet-
Vergangenheit denkenden Nomenklatura in den Geheimdiensten die heimliche Macht
im Staat, sodass sie im Laufe von Putins Präsidentschaft auf Schlüsselpositionen in
Politik und Wirtschaft gesetzt werden sollte. Daraufhin wurde 1999 von ehemaligen
KGB-Kadern die Partei „Einiges Russland“ aus dem Boden gestampft. Wie Jelzins
ab und übergab das Amt an Putin. Putin war der ideale Mann, um den Krieg für den
kraftlosen und schwerkranken Jelzin zu führen. Er war nicht aus Zufall an die Macht
gekommen, wie so manche seiner Befürworter in den alternativen Medien behaupten,
sondern wurde von Jelzin ausgewählt, um die finsteren Veruntreuungsgeschäfte
des ehemaligen Kreml-Chefs zu verheimlichen und ihm Straffreiheit zu gewähren.
Die Mainstream-Version von Putins Aufstieg ist auch ohne das Wissen über eine
Langzeitstrategie skandalös genug: Die „Semja“ auf Deutsch: „Familie“, wie die Russen
Jelzins Angehörige und Freunde nannten, bereicherte sich derart, dass Kritiker von einem
der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts sprachen. Zwielichtige Geschäftsmänner
wie Boris Beresowski, die enge Kontakte zu Jelzins Tochter Tatjana pflegten, kamen
zu Milliardenvermögen. Russlands Reichtümer wurden zu Spottpreisen an Günstlinge
des Präsidenten versteigert, die sich die Kaufsumme sogar teilweise beim Staat leihen
durften. Im Gegenzug füllten die Oligarchen Jelzins Wahlkampfkassen und auch die
Privatschatullen seiner Familie. Nach der Hyperinflation im Jahr 1998 war der Staat
zahlungsunfähig und die russische Unzufriedenheit hatte einen weiteren Höhepunkt
erreicht. Jelzin wusste, dass ihm die Zügel aus der Hand glitten und die Opposition
das Ruder übernahm. Das von Jelzin gestohlene Vermögen und sogar die Freiheit
des Präsidenten und seiner „Familie“ wären bei einem Wahlsieg der Opposition in
Gefahr gewesen. Deshalb ging Jelzin 1998 einen Deal mit dem noch stark sowjetisch
orientierten Sicherheitsapparat - insbesondere dem Geheimdienst FSB (Nachfolger
des KGB) - ein, um von ihm eine Sicherheitsgarantie zu bekommen. Jelzin wollte
sein Vermögen sichern und dabei sich selbst und seine Vertrauten vor der russischen
Justiz schützen. Im Gegenzug garantierte er der noch in den Kategorien der Sowjet-
Vergangenheit denkenden Nomenklatura in den Geheimdiensten die heimliche Macht
im Staat, sodass sie im Laufe von Putins Präsidentschaft auf Schlüsselpositionen in
Politik und Wirtschaft gesetzt werden sollte. Daraufhin wurde 1999 von ehemaligen
KGB-Kadern die Partei „Einiges Russland“ aus dem Boden gestampft. Wie Jelzins
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