freiwilligen Vertrag basiert, ist dieses Monopol auf Besteuerung und Schutz nicht
rechtmäßig. Da kein freiwilliger Vertrag zwischen einem Staat und seinen Bürgern
existiert, hat ein Staat keinerlei Existenzrecht. Aus diesem Grund sind auch Verträge
zwischen den Staaten null und nichtig, da die Staaten ihre Bürger nicht auf der Grundlage
eines freiwilligen Vertrags repräsentieren. Dass Staaten diese Verträge brechen werden,
ist abzusehen, da sie bisher schon das Recht ihrer Bürger brechen und keine persönliche
Verantwortung für die Einhaltung des Vertrags besteht. Man verteidigt das Recht nicht,
wenn man sich auf Verträge zwischen Staaten beruft, man verteidigt die Sklaverei! Hoppe
(siehe S.29 ff.) beschreibt es so: Während es einfach ist, sich den vertraglichen Ursprung
eines Systems konkurrierender Sicherheitsanbieter vorzustellen, ist es unvorstellbar, wie
Privateigentümer einem Vertrag beitreten könnten, der einen anderen Agenten dazu
berechtigt, jede Person innerhalb eines gegebenen Territoriums zu zwingen, zwecks
Schutz und rechtlicher Entscheidungsfindung ausschließlich zu ihm zu kommen
und jeden anderen Agenten vom Anbieten von Schutzdienstleistungen abzuhalten.
Solch ein Monopolvertrag würde bedeuten, dass ein jeder Privateigentümer sein Recht
auf letztinstanzliche Entscheidungsfindung und Schutz seiner Person und seines Eigentums
dauerhaft jemand anderem übergibt. Indem er dieses Recht jemand anderem überträgt,
begibt sich eine Person im Endeffekt in dauerhafte Sklaverei. Doch entsprechend der liberalen
Doktrin ist jeder derartige Unterwerfungsvertrag von Beginn an unzulässig (und damit null
und nichtig), weil er der praxeologischen Grundlage aller Verträge widerspricht, d.h. dem
Privateigentum und dem Eigentum einer Person an ihrem Körper. Keiner kann rechtmäßig
zustimmen, seine Person und sein Eigentum auf Dauer schutzlos den Handlungen eines
anderen auszuliefern. Gleichfalls unvorstellbar ist die Idee, dass er seinen monopolistischen
Beschützer mit dem dauerhaften Recht der Besteuerung ausstatten würde. Niemand kann
oder wird einem Vertrag zustimmen, der dem Beschützer erlaubt, einseitig, ohne
Zustimmung des Beschützten, die Geldsumme zu bestimmen, die der Beschützte
für seinen Schutz zu zahlen hat.”

Zurück nach Tschetschenien: Der Präsident Maschadow machte den Fehler, den
radikalen Akteuren der Unabhängigkeitsbewegung, die heimlich von Moskau unterstützt
wurden, wieder Mitspracherecht im neuen Tschetschenien zu gewähren. U.a. machte er
Schamil Bassajew zum stellvertretenden tschetschenischen Ministerpräsidenten für den
Wiederaufbau, befristete diese Position allerdings auf 6 Monate. Die Wahhabiten hatten
als Anhänger einer extrem intoleranten und fanatischen Strömung innerhalb des Islam
im ersten Tschetschenien-Krieg sehr viel Zulauf bekommen, da die russischen Soldaten
so brutal gegen die tschetschenische Zivilbevölkerung vorgegangen waren, dass man
die brutalen Warlords allmählich als das kleinere Übel empfand. Die Verhandlungen
über den territorialen Status Tschetscheniens wurden im Jahr 1997 weiter fortgesetzt.
Ein unabhängiges Tschetschenien lag jedoch nicht im Interesse Russlands und
ein unabhängiges Tschetschenien, das keine islamische Theokratie darstellte,
nicht im Interesse der wahhabitischen Warlords. Die Verhandlungen über ein
unabhängiges Tschetschenien waren deshalb von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Zwar machte Jelzin der tschetschenischen Regierung von Maschadow Eingeständnisse
wie den Abzug der letzten zwei russischen Brigaden im Winter 1997, doch eine

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