große Verwirrung sorgen, wenn ehemalige Dschihad-Kämpfer heute an der Seite der
USA in Afghanistan gegen die Taliban kämpfen würden? Genau das passiert aber in der
Ukraine: Die vermeintlichen Erzfeinde der Russen greifen nun mit ihnen die Ukraine
an.” Dabei haben sie weder Chancen auf ein unabhängiges Tschetschenien noch auf
einen islamischen Staat in der Ukraine. Die tschetschenischen Kämpfer sind für ihre
Härte und Brutalität gefürchtet, was nahelegt, dass es sich bei ihnen kaum um
moderate Muslime handeln kann, die die Krim im Namen der Gerechtigkeit von
der korrupten ukrainischen Regierung befreien wollen. Wie die CIA-Terroristen
aus Pakistan, werden auch sie vom russischen Geheimdienst geführt.

Anstatt für ein freies Tschetschenien zu kämpfen, tötete Bassajew 1992 im Auftrag
Russlands tausende Zivilisten in Abchasien, einem Gebiet, das zweifellos nicht den
Tschetschenen, sondern den Georgiern zustand, deren innigster Wunsch es ebenfalls
war, sich von Moskau loszueisen. Nach dem Untergang der Sowjetunion benutzte die
neue Zentralregierung in Moskau die radikalen Separatisten in zahlreichen abtrünnigen
Republiken, um diese wieder unter Kontrolle zu bekommen. Man unterstützte eine
Handvoll radikaler Islamisten, um mit der eigenen schlagkräftigen Armee diese
Gebiete neu zu annektieren. Russland gab in den Republiken, die formal gar nicht
als Republiken Russlands anerkannt waren, russische Pässe aus, ließ dort russische
Banken und Mobilfunkgesellschaften agieren und ernannte russische Militärs und
Geheimdienstler zu ,Regierungsmitgliedern. Schamil Bassajew war eindeutig einer
der von Russland gesteuerten radikalen Separatisten, die mit ihrem äußerst brutalen
Vorgehen das Gegenteil ihrer offiziellen Ziele erreichten: Bassajew säte mit seinen
Anschlägen und Morden an Zivilisten Hass, Zwietracht und Rachegelüste gegen die
vermeintlichen Unabhängigkeitskämpfer. Jelzin hatte mit radikalen Islamisten wie
Bassajew den Vorwand, um sich weiterhin in den Ex-Sowjetrepubliken einzumischen.

A.5. Der erste Tschetschenien-Krieg

Dieses geschah im Ersten Tschetschenien-Krieg im Jahre 1994, in dem Bassajew, der
drei Jahre zuvor noch an Jelzins Seite gegen die Putschisten gekämpft und für die Russen
Georgien destabilisiert hatte, zum neuen extremistischen Feindbild erklärt wurde.
Der damalige Präsident Dschohar Dudajew, der sich dagegen wehrte, Tschetschenien
zu einer Provinz Russlands zu machen und die Beteiligung Tschetscheniens an den
russischen Präsidentschaftswahlen verweigerte, hatte ebenfalls eine bemerkenswerte
Vergangenheit als Oberbefehlshaber der sowjetischen Luftwaffe im Baltikum und als
Kommandeur einer Division nuklear bewaffneter Langstreckenbomber hinter sich.!
Besonders bizarr wirkt, dass der treue kommunistische Krieger Dudajew, der als erster
Tschetschene den Dienstgrad eines Generals der sowjetischen Armee erlangen konnte,

* Die Behauptung, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine würden unabhängig von Moskau agieren, ist
so lächerlich, dass selbst die alternativen Medien sie vermeiden. Igor Girkin, ein russischer FSB-Oberst und einer
der militärischen Führer der separatistischen Volksrepublik Donezk sagte im November 2014, dass der Krieg in
der Ostukraine von ihm und seiner Einheit ausgelöst worden sei. Girkin drang mit seiner Truppe aus Russland in
die Ukraine ein. Er sagte, dass der Krieg in der Ostukraine nicht von den russischsprachigen Donbass-Bewohnern
selbst ausging, sondern dass er den Auslöser zum Krieg [...] gedrückt habe.'>*

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