der Grenze zu Aserbaidschan wurde ihm die Weiterreise untersagt. Insgesamt vier
der Terroristen - darunter auch Mohammed Atta - die später an den Attentaten
des 11.September beteiligt waren, versuchten auf demselben Weg wie Scheich
Mohammed nach Tschetschenien einzureisen, wurden jedoch ebenso nicht ins das
Land gelassen. Das Land war nach außen hin fast hermetisch abgeriegelt. Sakajew
wies den russischen Whistleblower Alexander Litwinenko darauf hin, dass es für
viele der dortigen Terroristen keine Chance gegeben habe, in das Land zu gelangen,
ohne Kooperation mit dem russischen Geheimdienst FSB: Also erklär mir doch bitte,
wie diese Burschen, die wir festnahmen, es geschafft haben sollen, mit ihren jordanischen
Pässen und ihrem typisch arabischen AufSeren in einer russischen Botschaft ein Visum zu
bekommen, nach Moskau und dann in den Nordkaukasus zu fliegen - wozu man eine
Spezialerlaubnis braucht - , ohne dass der FSB es bemerkt hätte? Das ist völlig unmöglich"
Tschetschenien ist schließlich bis heute kein souveränes Land, sondern immer noch
ein Teil Russlands. Es grenzt weder an Saudi-Arabien, Pakistan oder Afghanistan, den
Hochburgen des internationalen Dschihads. Wenn die tausende von Terroristen nicht
nach Tschetschenien geschmuggelt wurden, ist die wahrscheinlichste Erklärung eine
Mitwirkung des russischen Geheimdienstapparats.

Die westlichen Medien bezeichneten die Aussagen der moderaten Muslime
Sakajew und Maschadow als „Verschwörungstheorien“, um davon abzulenken, dass
die USA den internationalen Dschihad ebenfalls unterstützte. Der Spiegel titelte
am 09.09.2004 Zerroristenjagd in Russland - Stunde der Verschwörungstheoretiker
und wischte die Vorwürfe, Russland halte Extremisten wie Bassajew in Reserve, um
die eigene Unentbehrlichkeit zu demonstrieren, ohne eine logische Begründung
hinweg.'°° Bassajews Geständnisvideos waren jenen Osama bin Ladens zum
Verwechseln ähnlich. Der Westen und der Osten teilten sich ein gemeinsames
Terrorphantom mit zwei unterschiedlichen Namen.

Dass der russische Geheimdienst die tschetschenischen Islamisten bis heute führt,
zeigt sich, wenn Kämpfer des vermeintlichen tschetschenischen Dschihads heute an
der Seite Russlands gegen die Ukraine kämpfen. Euronews schrieb am 10.12.2014:
‚Allahu Akbar - ‚Gott ist groß‘ - skandieren diese tschetschenischen Kämpfer in der
Ostukraine. Sie nennen sich ‚Todeseinheit‘: Rund 300 Männer proben in der Nähe der
Separatistenhochburg Donezk den Ernstfall, also bewaffnete Auseinandersetzungen mit
ukrainischen Regierungstruppen. Die meisten der Freiwilligen sind ehemalige Angehörige
der tschetschenischen Sicherheitskräfte mit Erfahrung aus den Kriegen gegen Russland.”
Wer weiß, was in Tschetschenien passiert ist (siehe S.108), sollte stutzig werden, wenn
300 Tschetschenen plötzlich ihre Liebe für Russland neu entdecken.

Warum kämpfen gleichzeitig tausende Tschetschenen im Irak und in Syrien
für die Terrororganisationen IS/ISIS? Im iranischen Radio am 12.10.2014 spricht
Hörstel davon, dass die USA hinter dem Islamic State stehen und diese Truppe im besten
Terrormanagement-Stil gegründet, aufgerüstet, angeleitet, trainiert [...]“ hat.'”* Elsässer
bezeichnet ISIS auf der Webseite des Compact-Magazins als Produkt der USA." Wenn
die ISIS-Terroristen ein Produkt der USA sind, warum kämpfen dann tschetschenische
Kämpfer sowohl für ISIS als auch für Russland in der Ukraine? Würde es nicht für

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