beleuchtet wurden, dass die Geschichte eines ,,CIA-Agenten Bassajew™ zu konstruiert
wäre. Nachweislich verfügten die 41 Geiselnehmer im Moskauer Musicaltheater
im Oktober 2002, die von Bassajew gelenkt wurden, über gefälschte Pässe, die
offenbar von russischen Beamten geliefert worden waren, während russische Soldaten
ihnen Waffen und Sprengstoff zur Verfügung gestellt hatten. Und auch nach einer
Geiselnahme in Beslan im September 2004, für die wieder Bassajew verantwortlich
gemacht wurde, hieß es, dass die Terroristen im Vorfeld Unterstützung durch hohe
russische Offiziere bekommen hätten.'* Selbst wenn Bassajew für die CIA gearbeitet
hätte: Die Russen hatten dank ihm endlich einen Vorwand, Tschetschenien anzugreifen,
um dessen Unabhängigkeit zu verhindern. Die einzige äußert naive Erklärung wäre:
Die Russen wussten nicht, dass die tschetschenischen Kämpfer allesamt von der CIA
finanziert wurden, fühlten sich durch eine theokratische Regierung in Tschetschenien
bedroht und griffen deswegen ein.

Hörstel müsste darauf eingehen, dass sich Russland ebenfalls am Aufbau
des internationalen Dschihad beteiligte und Agenten wie Bassajew in Pakistan
ausbilden ließ. Dies geschah nicht mit Geldmitteln der USA, sondern die Gelder und
Waffen für den islamischen Widerstand in Tschetschenien stammten aus Russland.
Die Quellenlage für die Unterstützung der Islamisten durch Russland ist ähnlich
erdrückend wie bei den USA und Osama bin Laden. Eine von zahlreichen Quellen ist
der heutige Ministerpräsident der tschetschenischen Exilregierung Achmed Sakajew, der
auch darüber sprach, dass der russische Geheimdienst im Sommer 1998 systematisch
damit begonnen hatte, radikale Islamisten in Tschetschenien zu unterstützen, um die
Regierung des Präsidenten Maschadow zu destabilisieren.!“®

Sakajew sagte über die Regierung Maschadow, der er angehörte: Wir wollten einen
sakulären, demokratischen muslimischen Staat errichten, der sich am Westen orientiert, eine
Art zweite Türkei. Wir hofften sogar, dass wir irgendwann der NATO beitreten könnten.
[...] Aber plötzlich tauchten aus dem Nichts all diese Wahhabiten auf, die offenbar über
unbegrenzte Mittel verfügten und einen Islam predigten, der uns vollkommen fremd war.
Wie kamen all diese Leute wohl nach Tschetschenien? Über Moskau - sie hatten
nämlich russische Visa.

Berichten Journalisten wie Elsässer und Hörstel vielleicht absichtlich nicht über
solche Aussagen, weil die gemäßigten Muslime wie Sakajew von zwei Übeln das kleinere
wählten und sich der westlichen Welt anschließen wollten?

Sie hatten alle reichlich Kampferfahrung, erinnerte sich Sakajew. Aber sie gehörten
nicht zu ‚den Afghanen‘, den von Amerika ausgebildeten Mudschaheddin, die in
Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft hatten. Sie waren zwar Araber, sprachen
aber fließend Russisch. Sie gehörten zum ehemaligen Kader des KGB im Nahen
Osten. Und wir wussten, dass sie ihr Geld nicht aus Saudi-Arabien, sondern aus
Moskau bekamen.‘ |

Das Spiel mit gesteuerten Terroristen aus dem Ausland, ist schließlich keine
exklusive Taktik Washingtons, sondern gehört zum ABC der Machtpolitik aller
Staaten. Khalid Scheich Mohammed, der Mann hinter den Attentaten vom 11.
September, hatte bereits 1997 versucht, nach Tschetschenien zu gelangen, doch an

95