ausgebildet und unterstützt. Interessanterweise bekam Bassajew seine
Ausbildung für diese Mission von islamistischen Extremisten in Pakistan.
Hörstel bezeichnet diese Ausbildungsstätten als ein Produkt der CIA und des
pakistanischen Geheimdiensts ISI. Dass Osama bin Laden 1979 im sowjetisch-
afghanischen Krieg von der CIA als Kämpfer gegen die sowjetischen Invasoren
rekrutiert wurde, ist gemeinhin bekannt. Als Mittler für die Finanzmittel der 40.000
Widerstandskämpfer, die sich als Mudschaheddin (Krieger Gottes) bezeichneten und
in Afghanistan gegen die Sowjets kämpften, wurde der pakistanische Geheimdienst
ISI eingesetzt. Die meisten islamischen Kämpfer hatten selbst keine Ahnung,
dass ihre Waffen und Ausrüstung eigentlich von den USA gesponsert wurden.
Doch das ist nur die Hälfte der Geschichte: Schon während der sowjetischen Besatzung
Afghanistans wurden etwa 50. 000 prosowjetische Afghanen in Tschetschenien und
Tadschikistan ausgebildet, darunter auch heutige Mitglieder der Taliban und der Al
Qaida. So meldete die russische Nachrichtenagentur „Mosnews“, bezugnehmend auf
eine Meldung der „Asia Times“ im Sommer 2005, dass beispielsweise Osama bin Ladens
Stellvertreter Aiman el Sawahiri vom russischen FSB in einem Ausbildungslager
in Dagestan ausgebildet worden war; darüber hinaus bestünden noch weitere
Verbindungen zwischen dem FSB und Al Qaida.'** Zudem hatten die USA, die die
Ausrüstung für ihre afghanischen Kämpfer zur Verfügung stellten, anscheinend wenig
Einfluss darauf, was mit dieser Ausrüstung geschah. Brigadier Mohammad Yousaf vom
pakistanischen ISI äußerte hierzu: Kein amerikanischer oder chinesischer Berater war
jemals in der Ausbildung der Mudschaheddin an Waffen oder Ausrüstung beteiligt [...], das
war eine vorsätzliche sorgsam bedachte Politik, die zu ändern wir uns beharrlich weigerten,
trotz des wachsenden Drucks durch die CIA und später des US-Verteidigungsministeriums,
ihnen die Übernahme zu erlauben.'® Wenn man dieser Aussage trauen kann, hatten die
Amerikaner wenig Einfluss darauf, was in den Ausbildungslagern passierte. Die Sowjets
teilten sich damals noch eine Grenze mit Pakistan und hielten Afghanistan besetzt. Sie
hätten die Möglichkeit gehabt, auf die Mudschaheddin direkten Einfluss zu nehmen.
Trotz des Endes des Kalten Krieges wurde das nachrichtendienstliche Netzwerk des
pakistanischen ISI nicht abgebaut und geriet in den Fokus der Weltöffentlichkeit, als
die u.a. in Pakistan ausgebildete Al Qaida bei den Anschlägen des 11. September neu in
Erscheinung trat. Der frühere KGB-General Oleg Kalugin bemerkte am 23. September
2001 auf „BBC World News“, dass es mehr Al-Qaida-Terroristen gäbe, die vom
KGB trainiert wurden, als von der ClA.'“ Die Titelgeschichte vom „CIA-Agent Bin
Laden“ im Compact-Magazin des Juni 2011 entbehrt nicht jeglicher Grundlage, doch
eine Geschichte vom „FSB-Agent Bin Laden hätte sich anhand der Faktenlage ebenso
konstruieren lassen. Dass kaukasische Terroristen wie Bassajew ihre Ausbildung in den
gleichen Lagern wie die Al-Qaida-Terroristen bekommen hatten, wird von Christoph
- Hörstel nicht erwähnt. Theoretisch könnte Hörstel, um den USA den schwarzen Peter
in die Schuhe zu schieben, es so darstellen, als sei Bassajew ebenfalls ein Agent der CIA,
die den ISI benutzt, um auch nach dem Kalten Krieg den Internationalen Dschihad
zu finanzieren. Das Problem ist jedoch, dass Bassajews Kontakte zu sowjetischen und
russischen Behörden wie zu dem Militärgeheimdienst GRU inzwischen so ausführlich

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