Elsässers Verbindungen zum Kreml traten zuweilen offen zutage: Die ZEIT
berichtet aus einer gehackten E-Mail, die Putins Geostratege Alexander Dugin
(siehe S.118) an den russischen Botschaftsmitarbeiter Georgi Gawrisch in Athen
geschickt hatte: Seit Jahren sucht [Dugin] überall in Europa Mitstreiter. Wen er dabei im
Sinne hat, geht aus einer weiteren Mail hervor, die Dugin im Februar 2014 an Gawrisch
sandte. Im Anhang findet sich eine Liste von Personen aus verschiedenen Ländern, die geeignet
seien, einen ‚Eliteklub‘ zu gründen, oder ‚eine Gruppe zur Beeinflussung der Information
im Sinne von ‚Russland Heute‘. Unter Deutschland listet Dugin etwa den Publizisten
Jürgen Elsässer auf, unter Ungarn Premierminister Viktor Orbän. Für Griechenland
stehen drei Personen auf der Liste, darunter Alexis Tsipras, damals oppositioneller Parteichef
der Syriza.'® Der Bayerische Rundfunk (BR) stieß in seiner Reportage „Putins Netzwerk
in Europa: Wie Moskau rechte Parteien sponsert und unterwandert“ auf Elsässers
Compact-Magazin. Das Filmteam des BR reiste zu einer Außenstelle der rechten Partei
„Front National“, wo ihnen der Schatzmeister der Partei verriet, dass eine Moskauer
Bank die putinfreundliche Partei mit 10 Millionen Euro finanziert. Keine westliche Bank
hatte dem „Front National“ Geld geben wollen, also wendete man sich an Russland.
Seitdem wirbt der „Front National“ in den Medien um Frieden und Partnerschaft mit
Putin. Der französische Politikwissenschaftler Yves Camus gab dem BR ein Interview.
Er hatte zu den Methoden der Russen, wie sie Einfluss auf Parteien und Medien in
Europa nehmen, geforscht und empfahl dem Team, sich an deutschen Kiosken nach
dem Compact-Magazin umzusehen. Die Reportage erwähnte, dass im „Russischen
Haus“ in Berlin, einer offiziellen Auslandsvertretung Moskaus, viele Veranstaltungen
des Compact-Magazins stattfinden.'’® Elsässer ist eindeutig ein Kreml-Propagandist,
der sich im Schafspelz (siehe S.161) des liberal-konservativen Widerstands gegen die
Neue Weltordnung versteckt. Die kommunistische Weltregierung der Rothschilds ist
in seinen Augen eine turbokapitalistische amerikanische Welt-Hegemonie. Er warnt
zurecht vor dem US-Militär, spielt jedoch die russische Gefahr herunter. Liberale und
Konservative, die sich heute im gegen Kampf gegen die „Neue Weltordnung“ auf
die Seite Elsässers stellen, begehen einen riesigen Fehler. Im Kampf um die Freiheit
ist es nutzlos, sich den Tyrannen auszuwählen, den man für den besseren Tyrannen
hilt, und diesen bedingungslos anzufeuern. Doch leider sind die meisten Deutschen
dieser simplen Fuflballer-Logik verfallen: „Putin ist sicher kein Heiliger, aber immer
noch besser als jeder westliche Politiker xy.“ Alle Regierungen sind korrupt und haben
nichts als Verachtung fiir ihr Volk übrig. Der einzig mögliche Weg aus der Neuen
Weltordnung ist der Kampf gegen das Machtmonopol der Staaten.

A.2. Christoph Horstel

Christoph Hörstel ist seit 1985 permanent im Nahen und Mittleren Osten
unterwegs. Als Sonderkorrespondent der ARD bereiste er vor allem Afghanistan
und Pakistan und knüpfte dort enge Kontakte zu Regierungsmitarbeitern und hohen
Spitzen der Gesellschaft. Das ermöglichte ihm u.a. im Jahr 2001 während des Sturzes
der Taliban als einziger westlicher Journalist ins afghanische Kabul zu gelangen. Andere

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