Compact-Magazin mit ein. Es schien, als habe Elsässer seine Ansichten radikal geändert.
Das Compact-Magazin schien für alle offen zu sein, CDU-Politiker wie Alexander
Gauland, Nigel Farage von der konservativen und euroskeptischen UK Independence
Party oder Wirtschaftswissenschaftler wie Wilhelm Hankel, die Elsässer zu seinen
Veranstaltungen einlud. Inzwischen verteidigt Elsässer sogar beinhart nationalistische
bis nahezu rassistische Positionen wie die von Thilo Sarrazin, den er zu einer seiner
Konferenzen einlud (siehe S.117). Als der ehemalige Ministerpräsident Christian Wulff
erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland, antwortete Elsässer ihm in einem Artikel
namens „Wulffs Angriff auf Deutschland“: Den Multikulti-Strategen um Wulff sei gesagt:
Die Identität Deutschlands wurzelt in der ‚deutschen Leitkultur '3' Elsässer scheint sich
in der Tradition Lenins zu sehen, der in seiner Schrift „Der linke Radikalismus, die
Kinderkrankheit im Kommunismus“ feststellte, dass wahre Revolutionäre nicht davor
zurückschrecken sollten, linke Phrasen aufzugeben und rechte Taktiken anzunehmen,
um mit ihnen eine doch stets revolutionäre Politik auszuführen.'* Eins bleibt den
Linken und Rechten nämlich gemein: Sie hassen den Kapitalismus!

Klar kann Elsässer behaupten, er habe einen Sinneswandel vollzogen und seine
alten Ansichten vollständig abgelegt, doch erstens setzt er sich nicht kritisch mit
seiner Vergangenheit als subversiver Antideutscher auseinander,‘ zweitens haben sich
seine grundlegenden Ansichten kaum verändert: Er kooperiert mit Libertären,
lehnt jedoch die freie Marktwirtschaft ab. Er wettert, wie damals schon, gegen
die neokolonialistischen Feldzüge des US-Imperiums, äußert jedoch keine
Kritik an Russland. Die Besetzung Deutschlands durch die Russen hatte er
damals befürwortet, heute will er die Souveränität Deutschlands gegen die
amerikanischen Besatzer verteidigen. Die Finanzkrise ist für ihn ein Angriff des
„anglo-amerikanischen‘“ Finanzkapitals, während er kein negatives Wort über
die russische und chinesische Mangelwirtschaft verliert. Elsässers Verhalten passt
perfekt in die taktischen Planungen Moskaus. Ob er sich dessen bewusst ist oder nicht,
sei dahingestellt. Nachdem der KGB und der CIA ganze Arbeit geleistet hatten, die
intellektuelle Elite Deutschlands sozialistisch zu infizieren, wollte man in Phase 4 auch
den konservativen und liberalen Widerstand auf Moskaus Seite ziehen. Dies konnte
nur gelingen, indem die westliche Politik ihre Bürger auf ganzer Linie enttäuschte.
Elsässers Compact-Magazin wurde pünktlich zur Einleitung von Phase 4 gegründet
und soll die, von ihrer Regierung im Stich gelassenen, Deutschen in der für Phase
4 prophezeiten Finanzkrise von Putins Russland überzeugen. Das scheint Elsässer zu
gelingen, denn, wie der Journalist Alexander Benesch schreibt, ist der Führerkult um
den ehemaligen KGB-Chef Putin nun endgültig das zentrale, verbindende und sinnstiftende
Element der ‚alternativen‘ Bewegungen im Westen geworden.‘* Nachdem man feststellt,
dass die Regierungen im Westen erneut versagt haben, feuert man einfach eine neue
Macht an, anstatt sich mit dem grundlegenden Problem eines Gewaltmonopols zu
beschäftigen: Der König ist tot, es lebe der König!

* Seine Mitgliedschaft im kommunistischen Bund bereut er heute als politkriminelle Aktivität” und spricht un-
gern über seine antideutsche Hetze, die man kaum als Jugendsünde bezeichnen kann. Elsässer war schon 38, als
„Wenn das der Führer hätte erleben dürfen“ erschien

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