brachte,
woraufhin
die
Stimmung
gegenüber
den
Vertretern
des
alten
Systems
immer
feindseliger wurde.!!* Die Vertreter des alten Systems, die sich nach dem inszenierten
Schaukampf auf eine sichere Pension freuten, mussten plötzlich um ihr Leben bangen,
da die Öffentlichkeit eine restlose Aufklärung ihrer Verbrechen forderte. Dabei
scheute das Volk auch vor Selbstjustiz nicht zurück, sodass Staatsfunktionire fürchten
mussten, im Wald neben ihrem Haus erhängt zu werden. Nachdem Stimmen laut
geworden waren, die selbst die Existenzberechtigung des Geheimdienstes in der
Tschechoslowakei in Frage stellten, wurde klar, dass die gesteuerte Liberalisierung
völlig außer Kontrolle geraten war. Deshalb bereitete der nach wie vor Moskau-
treue Geheimdienst ein Eingreifen der Roten Armee vor, das den Status quo
wiederherstellen sollte. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei dauerte es
nur wenige Monate, bis die „Konterrevolution“ - wie es in der Propaganda hieß
- rückgängig gemacht worden war und die alte kommunistische Garde wieder
fest im Sattel saß. Da die Reformregierung Dubcek den tschechoslowakischen
Streitkräften den Befehl gegeben hatte, keinen Widerstand gegen die Besetzung zu
leisten, ging der Einmarsch schnell und weitgehend unblutig vonstatten.''® Die
Parallelen zur heutigen Situation in der Ukraine sind erstaunlich (siehe S. 219 ff.).
Dubcek wurde nach Moskau bestellt, um dort offiziell die Kapitulationserklärung
seiner Reformbewegung zu unterschreiben. Er konnte nach seiner Rückkehr in die
Tschechoslowakei ein unbehelligtes Leben führen. Es war klar, dass man jede weitere
kontrollierte Liberalisierung besser vorbereiten musste, um ein ähnliches Debakel
zukünftig zu verhindern. Die Niederlage wurde für den Kreml dadurch verstärkt, dass
in Folge der gewaltsamen Besetzung viele Funktionäre, wie Jan Sejna (siehe S.69) in
den Westen überliefen. Hätte der Westen Sejnas Berichte über die kommunistische
Langzeitstrategie damals ernstgenommen, wäre der Schaden für das Moskauer Politbüro
geradezu vernichtend gewesen.'"” Doch aus den Fehlern des Prager Frühlings konnte
die sowjetische Führung die richtigen Konsequenzen ziehen. Gorbatschows inszenierte
. Liberalisierung und das gesteuerte Auseinanderbrechen des sowjetischen Imperiums in
feindseliger wurde.!!* Die Vertreter des alten Systems, die sich nach dem inszenierten
Schaukampf auf eine sichere Pension freuten, mussten plötzlich um ihr Leben bangen,
da die Öffentlichkeit eine restlose Aufklärung ihrer Verbrechen forderte. Dabei
scheute das Volk auch vor Selbstjustiz nicht zurück, sodass Staatsfunktionire fürchten
mussten, im Wald neben ihrem Haus erhängt zu werden. Nachdem Stimmen laut
geworden waren, die selbst die Existenzberechtigung des Geheimdienstes in der
Tschechoslowakei in Frage stellten, wurde klar, dass die gesteuerte Liberalisierung
völlig außer Kontrolle geraten war. Deshalb bereitete der nach wie vor Moskau-
treue Geheimdienst ein Eingreifen der Roten Armee vor, das den Status quo
wiederherstellen sollte. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei dauerte es
nur wenige Monate, bis die „Konterrevolution“ - wie es in der Propaganda hieß
- rückgängig gemacht worden war und die alte kommunistische Garde wieder
fest im Sattel saß. Da die Reformregierung Dubcek den tschechoslowakischen
Streitkräften den Befehl gegeben hatte, keinen Widerstand gegen die Besetzung zu
leisten, ging der Einmarsch schnell und weitgehend unblutig vonstatten.''® Die
Parallelen zur heutigen Situation in der Ukraine sind erstaunlich (siehe S. 219 ff.).
Dubcek wurde nach Moskau bestellt, um dort offiziell die Kapitulationserklärung
seiner Reformbewegung zu unterschreiben. Er konnte nach seiner Rückkehr in die
Tschechoslowakei ein unbehelligtes Leben führen. Es war klar, dass man jede weitere
kontrollierte Liberalisierung besser vorbereiten musste, um ein ähnliches Debakel
zukünftig zu verhindern. Die Niederlage wurde für den Kreml dadurch verstärkt, dass
in Folge der gewaltsamen Besetzung viele Funktionäre, wie Jan Sejna (siehe S.69) in
den Westen überliefen. Hätte der Westen Sejnas Berichte über die kommunistische
Langzeitstrategie damals ernstgenommen, wäre der Schaden für das Moskauer Politbüro
geradezu vernichtend gewesen.'"” Doch aus den Fehlern des Prager Frühlings konnte
die sowjetische Führung die richtigen Konsequenzen ziehen. Gorbatschows inszenierte
. Liberalisierung und das gesteuerte Auseinanderbrechen des sowjetischen Imperiums in
Phase
3
gingen
glatt
über
die
Bühne.
B.3. Phase 3: „Die Periode des dynamischen sozialen Wandels‘
B.3. Phase 3: „Die Periode des dynamischen sozialen Wandels‘
1985
waren
die
wichtigsten
Streckenziele
der
Langzeitstrategie
trotz
zeitlicher
Verzögerungen erreicht: Das russische Militär hatte aufgerüstet, militante
Befreiungsbewegungen kämpften auf der ganzen Welt für den Kommunismus, die
Sowjetunion hatte das aggressive Außenbild des Stalinismus abgelegt, die westliche
Gesellschaft war sozialistisch indoktriniert und die freiheitliche Opposition durch
eine marxistische KGB-Opposition ersetzt worden. Und am allerwichtigsten: Die
Existenz einer Langzeitstrategie war im Westen nach wie vor unbekannt, trotz
Whistleblowern wie Sejna und Golitsyn.
Verzögerungen erreicht: Das russische Militär hatte aufgerüstet, militante
Befreiungsbewegungen kämpften auf der ganzen Welt für den Kommunismus, die
Sowjetunion hatte das aggressive Außenbild des Stalinismus abgelegt, die westliche
Gesellschaft war sozialistisch indoktriniert und die freiheitliche Opposition durch
eine marxistische KGB-Opposition ersetzt worden. Und am allerwichtigsten: Die
Existenz einer Langzeitstrategie war im Westen nach wie vor unbekannt, trotz
Whistleblowern wie Sejna und Golitsyn.
Derscheinbare
Niedergang
des
Kommunismus,
den
Golitsyn
und
Sejnaangekündigt
hatten, wurde von dem neuen, jungen Parteiführer Michail Gorbatschow eingeleitet,
der sich in der Tradition der vermeintlich liberalen Reformer aus Phase 2 sah. Er gilt
hatten, wurde von dem neuen, jungen Parteiführer Michail Gorbatschow eingeleitet,
der sich in der Tradition der vermeintlich liberalen Reformer aus Phase 2 sah. Er gilt
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