Sowjetbürger
ohne
die
Erlaubnis
des
KGB
nicht
ins
Ausland
reisen
durfte,
was
es
Personen, die als politisch unzuverlässig galten, völlig unmöglich machte, das Land
zu verlassen. Jene Sowjetbürger, die als sogenannte Dissidenten im Ausland auftraten
und dort ihre politischen Forderungen verbreiteten, konnten dies nur mit Billigung
des KGB tun.'°
Personen, die als politisch unzuverlässig galten, völlig unmöglich machte, das Land
zu verlassen. Jene Sowjetbürger, die als sogenannte Dissidenten im Ausland auftraten
und dort ihre politischen Forderungen verbreiteten, konnten dies nur mit Billigung
des KGB tun.'°
Der
Prager
Frühling
anno
1968
geriet
zur
missglückten
Generalprobe
des
vorgetäuschten Untergangs der Sowjetunion in Phase 3. Kommunistischen Quellen
zufolge hatte es in der Führung der tschechoslowakischen KP einen intensiven
Machtkampf zwischen liberalen Reformern rund um Alexander Dubcek und
stalinistischen Hardlinern unter Führung des Generalsekretärs Antonin Novotny
gegeben, den die liberale Gruppe im Januar 1968 für sich entscheiden konnte.!” Das
sollten zumindest das Ausland und die Normalbürger des Ostblocks glauben, denn seit
der Übernahme der Langzeitstrategie hatte es im Inneren der tschechoslowakischen KP
keinerlei ernstzunehmender Differenzen mehr gegeben. Novotony hatte in den Jahren
1959 bis 1968 jegliche Opposition innerhalb der eigenen Reihen ausgelöscht und
stattdessen mit dem Aufbau einer kontrollierten Opposition nach russischem Vorbild
begonnen. Der theatralische Wechsel von Novotny zu Dubcek und die nachfolgen-
den Reformen waren in erster Linie für das Ausland inszeniert und stellten einen
ersten Versuch des kontrollierten „Zusammenbruchs“ des Kommunismus dar, wie
er in der späteren Phase 3 für den ganzen Ostblock vorgesehen war.!!* Dubcek
führte marktwirtschaftliche Elemente in die starre Planwirtschaft der Tschechoslowakei
ein, die Zensur wurde abgeschafft und selbst Auslandsreisen waren nicht länger
unmoglich.'” Doch Dubceks Liberalisierungen fanden unter der Kontrolle der KP
und der Geheimdienste statt. Wie in Rumänien (siehe S. 73) konnte die Öffnung des
Landes zu jeder Zeit von den Planern rückgängig gemacht und eine Rückkehr zum
Kommunismus eingeleitet werden. Betrachtet man den Werdegang Alexander Dubceks,
so zeigt er sich als das typische Produkt einer stalinistischen Parteimaschinerie. Obwohl
in der Slowakei geboren, lebte er von 1922 bis 1938 in der UDSSR. 1939 wurde
er in seiner Heimat Mitglied der kommunistischen Partei, in der er unaufhaltsam
Karriere machte, bis er vermutlich aufgrund seiner russischen Vergangenheit und
seiner Treue zum kommunistischen System als der Parteiführer auserwählt wurde, der
die geplanten „Reformen“ durchführen sollte.!!! Golitsyn schrieb, dass die Wahl zur
Durchführung dieser speziellen Aufgabe schon etwa 1960 auf die Tschechoslowakei
fiel, da der tschechoslowakische StB als verlässlichster und linientreuster Geheimdienst
aller Satellitenstaaten galt, und dass die Vorbereitungen dazu schon kurze Zeit später
begonnen hatten. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die Reformen Dubceks zu
keiner Zeit antikommunistische Züge annahmen, es wurde nie der Marxismus an sich
in Frage gestellt, und auch die unter Dubcek rehabilitierten Dissidenten waren keine
Gegner des kommunistischen Systems, sondern lediglich marxistische Abweichler.
vorgetäuschten Untergangs der Sowjetunion in Phase 3. Kommunistischen Quellen
zufolge hatte es in der Führung der tschechoslowakischen KP einen intensiven
Machtkampf zwischen liberalen Reformern rund um Alexander Dubcek und
stalinistischen Hardlinern unter Führung des Generalsekretärs Antonin Novotny
gegeben, den die liberale Gruppe im Januar 1968 für sich entscheiden konnte.!” Das
sollten zumindest das Ausland und die Normalbürger des Ostblocks glauben, denn seit
der Übernahme der Langzeitstrategie hatte es im Inneren der tschechoslowakischen KP
keinerlei ernstzunehmender Differenzen mehr gegeben. Novotony hatte in den Jahren
1959 bis 1968 jegliche Opposition innerhalb der eigenen Reihen ausgelöscht und
stattdessen mit dem Aufbau einer kontrollierten Opposition nach russischem Vorbild
begonnen. Der theatralische Wechsel von Novotny zu Dubcek und die nachfolgen-
den Reformen waren in erster Linie für das Ausland inszeniert und stellten einen
ersten Versuch des kontrollierten „Zusammenbruchs“ des Kommunismus dar, wie
er in der späteren Phase 3 für den ganzen Ostblock vorgesehen war.!!* Dubcek
führte marktwirtschaftliche Elemente in die starre Planwirtschaft der Tschechoslowakei
ein, die Zensur wurde abgeschafft und selbst Auslandsreisen waren nicht länger
unmoglich.'” Doch Dubceks Liberalisierungen fanden unter der Kontrolle der KP
und der Geheimdienste statt. Wie in Rumänien (siehe S. 73) konnte die Öffnung des
Landes zu jeder Zeit von den Planern rückgängig gemacht und eine Rückkehr zum
Kommunismus eingeleitet werden. Betrachtet man den Werdegang Alexander Dubceks,
so zeigt er sich als das typische Produkt einer stalinistischen Parteimaschinerie. Obwohl
in der Slowakei geboren, lebte er von 1922 bis 1938 in der UDSSR. 1939 wurde
er in seiner Heimat Mitglied der kommunistischen Partei, in der er unaufhaltsam
Karriere machte, bis er vermutlich aufgrund seiner russischen Vergangenheit und
seiner Treue zum kommunistischen System als der Parteiführer auserwählt wurde, der
die geplanten „Reformen“ durchführen sollte.!!! Golitsyn schrieb, dass die Wahl zur
Durchführung dieser speziellen Aufgabe schon etwa 1960 auf die Tschechoslowakei
fiel, da der tschechoslowakische StB als verlässlichster und linientreuster Geheimdienst
aller Satellitenstaaten galt, und dass die Vorbereitungen dazu schon kurze Zeit später
begonnen hatten. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die Reformen Dubceks zu
keiner Zeit antikommunistische Züge annahmen, es wurde nie der Marxismus an sich
in Frage gestellt, und auch die unter Dubcek rehabilitierten Dissidenten waren keine
Gegner des kommunistischen Systems, sondern lediglich marxistische Abweichler.
Was
als
kontrollierter,
vorübergehender
Richtungswechsel
geplant
und
begonnen
worden war, wurde jedoch plötzlich zum Selbstläufer, als das tschechoslowakische
Volk, durch Dubceks Liberalisierungstheater ermutigt, tatsächliche Reformen forderte
und der Wegfall der Zensur die Aufdeckung der kommunistischen Verbrechen mit sich
worden war, wurde jedoch plötzlich zum Selbstläufer, als das tschechoslowakische
Volk, durch Dubceks Liberalisierungstheater ermutigt, tatsächliche Reformen forderte
und der Wegfall der Zensur die Aufdeckung der kommunistischen Verbrechen mit sich
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