A.3. Die Rot-Kreuz-Mission der Federal Reserve

Die Federal Reserve beteiligte sich direkt an der Oktoberrevolution durch eine
von ihr organisierte Rot-Kreuz-Mission, die vorgeblich die Opfer des russischen
Bürgerkrieges mit medizinischer Hilfe versorgen sollte. In Wahrheit war das
amerikanische Rote Kreuz hauptsächlich von Wallstreet-Banken, allen voran J.P.
Morgan, finanziert und diente deren Zwecken. Laut dem Rockefeller-Vertrauten John
Foster Dulles betrachteten die Geschäftsleute das amerikanische Rote Kreuz praktisch als
Arm der Regierung, von dem sie erwarteten, einen unschätzbaren Beitrag zum Gewinnen
des Krieges zu leisten.”” Dulles meinte damit den Ersten Weltkrieg gegen Deutschland,
da er behauptete, die roten Revolutionäre seien effektivere Widersacher des deutschen
Imperialismus‘ als die Zarenarmee. Das erklärt jedoch nicht, warum auch die deutsche
Regierung die Kommunisten finanziell und diplomatisch unterstützte. Die Amerikaner
unterstützten die Bolschewisten, um Russland zu stärken. Die Deutschen nutzten sie,
um Russland zu schwächen. Nur historisch beispiellose Inkompetenz könnte die pro-
bolschewistischen Bemühungen der westlichen Regierungen erklären, wenn man die
Taktik der finanziellen Strippenzieher nicht durchschaute. Die wahren Motive für die
ausländische Hilfe bei der Revolution wurden der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt.

Die Rot-Kreuz-Mission nach Russland wurde von William Boyce Thompson,
einem Direktor der Federal Reserve, finanziert und zusammengestellt. Im August
1917 kam sie per Zug in Petrograd an. Von 29 Mitgliedern der Mission waren nur
sieben Ärzte. Der Rest waren Übersetzer, Militärs und vor allem Banker, darunter
Vertreter von Morgan und Rockefeller. Anstatt medizinischer Hilfe hatten die
vermeintlich humanitären Helfer vor allem eines zu bieten: Finanzielle Unterstützung
für die radikalen Sozialisten. Dr. Frank Billings, der medizinische Kopf der Mission,
verließ Russland schon wieder im September und zeigte sich angewidert aufgrund
der offensichtlichen politischen Aktivitäten seiner Mitreisenden. Am 17. Dezember
1917 erschien in einer russischen Zeitung ein negativer Artikel über Ihompson und
seine rechte Hand Raymond Robins. Der Autor stellte eine Verbindung zwischen
der Revolution und amerikanischen Banken her: Warum wurde das Geld den
sozialistischen Revolutionären gegeben und nicht den rechtsstaatlichen Demokraten?
Man würde annehmen die Letzteren wären den Herzen der Banker näher und
Lieber. Ein fataler Trugschluss, denn Vertreter der Federal Reserve konnten nicht daran
interessiert sein, Russland zu einem freien Land nach Vorbild der USA zu machen. Karl
Marx forderte höchstpersönlich eine Zentralbank im Kommunistischen Manifest.

Der Artikel erklärte, dass das amerikanische Kapital es auf Russlands zukünftigen
Markt abgesehen hatte. Das Geld wurde den Kommunisten gegeben, weil die
rückständige Arbeiterklasse und Bauern den sozialistischen Revolutionären vertrauen. Zu
dem Zeitpunkt, als das Geld übergeben wurde, waren die Sozialisten schon an der Macht
und man nahm an, sie würden Russland auf lange Zeit kontrollieren. Es erschienen weitere
Berichte, die von Verhandlungen mit Bankern der Roten-Kreuz-Mission sprachen.®
Leider existieren keine genauen Zahlen, wie viel Geld die Mission den Bolschewisten
spendete. Die Washington Post berichtete am 2. Februar 1918, dass Thompson nach

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