hatte bei ihrer Gründung weniger Gesetze und ein freieres Wirtschaftssystem
als heute nach 18 Bundestagswahlen. Das spricht nicht gerade für einen
Zusammenhang zwischen Freiheit und Demokratie. Man kann sicherlich feststellen,
dass es den Menschen in China heute ein wenig besser geht als in den 1970er-Jahren,
aber haben sie diese Umstände wirklich politischen Wahlen zu verdanken? War es
nicht vielmehr ein Strategiewechsel der Kommunistischen Partei, der China - nach
Maos vernichtender Kulturrevolution - vor dem totalen Kollaps bewahrte, dem die
chinesische Bevölkerung ihren gestiegenen Wohlstand zu verdanken hat? Wenn die
Demokratie den letzten Schluss der menschlichen Weisheit darstellt, warum führt
ein demokratisches Land wie die USA heute blutige Kriege in Afghanistan und im
Irak? Waren die Napoleonischen Kriege nach der Errichtung einer Demokratie in
Frankreich blutiger als die Kriege der Könige vor ihm? Ist der demokratische Staat
also wirklich die konsequente Fortführung der Werte der Aufklärung wie Freiheit und
Selbstbestimmung?

Hoppe stellte fest, dass das Gewaltmonopol das ursächliche Problem für
den Niedergang eines Staates ist und nicht die Art, wie es zustande kommt.
Hinterlistige Ideologen stellten fest, dass die Bürger einer Demokratie sich auf
das Gewaltmonopol der Regierung stürzen, anstatt zu fordern, es abzuschaffen.
So probiert ein Großteil der Bürger so effizient wie möglich von der Ausbeutung
seiner Mitmenschen zu profitieren. Studenten wollen niedrigere Studiengebühren auf
Kosten des Steuerzahlers, Rentner wollen höhere Renten auf Kosten des Steuerzahlers,
Eltern wollen höheres Elterngeld auf Kosten des Steuerzahlers und Beamte wollen
höhere Löhne auf Kosten des Steuerzahlers. Das Machtmonopol liegt nicht mehr in
privater Hand wie zu Zeiten der Monarchie, sondern ist ein öffentliches Gut, von
dem jeder profitieren darf. Wer von der Verteilung der Steuern profitiert, entscheiden
allerdings Politiker, die tendenziell eher Psychopathen sind als gesunde Menschen,
da Psychopathen von einem Machtmonopol stärker angezogen werden. Ein Politiker
wird das Machtmonopol nutzen, um sich selbst zu bereichern und die von ihm
gestohlenen Steuern so großzügig wie möglich bei seiner Wählerklientel zu verteilen.
Da er nicht der Besitzer des Machtapparats ist, wird er probieren, sich in einer
möglichst kurzen Zeit so viel wie möglich an seiner Position zu bereichern,
anstatt wie ein König den Wert seines Besitzes zu steigern. Im Gegensatz zu einem
König hat er keinerlei persönliche Verantwortung für seine Entscheidungen. Er wird
das Gewaltmonopol deshalb skrupellos auf Kosten der Bürger ausnutzen, die darum
betteln, von ihm beschenkt zu werden. Obwohl die Monarchie ebenfalls abzulehnen
ist, da jedes Machtmonopol in den Händen einer kleinen Gruppe unmoralisch ist, ist es
doch einleuchtend, warum Privatbesitz zur Mäßigung eines Königs beiträgt, während
die Demokratie unmoralisches Verhalten geradezu herausfordert. Hoppe schreibt:
Ein demokratischer Herrscher kann den Regierungsapparat zu seinem persönlichen Vorteil
benutzen, aber er gehört ihm nicht. Weder kann er die Regierungsressourcen verkaufen und
den Erlös davon privat einstecken, noch kann er Regierungseigentum an seinen persönlichen
Erben weitergeben. Ihm gehört die laufende Verwendung der Regierungsressourcen
(Nießbrauch), aber nicht ihr Kapitalwert. In deutlichem Unterschied zu einem König wird

34