Amerikas durch europäische Staaten nach Amerika gekommen waren, waren zu großen
Teilen Anhänger der scholastischen „Naturrechtslehre“ (siehe S.27), der entsprechend
jede Regierung auf Vertragsbasis zu beruhen hatte. Sie kannten das Prinzip des
Selbsteigentums und lebten auf dem neu erschlossenen Kontinent ohne Regierung in
Wohlstand und Frieden. Auch die amerikanischen Ureinwohner wurden erst verfolgt
und ermordet, als Regierungen Amerika kolonialisierten.

Bedeutet die Erklärung des Phänomens einer liberalen Regierung, dass ich
Amerika verachte und mir für die ganze Welt eine Planwirtschaft wünsche? Sicherlich
nicht, ganz im Gegenteil! Ich appelliere nur an die Liberalen, aus der amerikanischen
Erfahrung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es leitet sich aus der Natur des Menschen
ab, dass eine kleine Regierung sich zu einer großen Regierung entwickeln muss.
Es ist wichtig, bei der Weiterentwicklung der menschlichen Freiheit auf Logik
und Fakten zu hören und aus den Fehlern einer minimalstaatlichen Republik zu
lernen. Eine neue, bessere Welt muss eine herrschaftsfreie Welt sein. Hoppe drückt
es folgendermaßen aus: Wenn die Prämisse einer Regierung erstmal akzeptiert ist, haben
Liberale kein Argument übrig, wenn Sozialisten diese Prämisse bis an ihr logisches Ende
verfolgen. Wenn ein Monopol gerecht ist, dann ist Zentralisierung gerecht. Wenn Besteuerung
gerecht ist, dann ist mehr Besteuerung ebenfalls gerecht.”

Indem Psychopathen das Monopol der Enteignung ihrer Untertanen durch
Steuern und Inflation ausnutzen, leben sie von der Arbeit anderer, anstatt sich dem
Wettbewerb auf dem Markt zu stellen. Das heißt aber nicht, dass ausschließlich
Psychopathen an der Errichtung und Aufrechterhaltung einer Regierung mitarbeiten.
Das Phänomen „Regierung“ lässt sich, wie Lobaczewskis Ponerogenese, am besten
als makrosoziale Krankheit beschreiben. Sobald sie installiert ist, werden zwar
prozentual mehr Psychopathen in ihr Platz nehmen, aber der Anreiz für andere
Menschen, ihr Geld mit ehrlicher Arbeit zu verdienen, fällt mit jeder Ausweitung
der Regierungsmacht, sodass auch sie geneigt sind, ihr Geld nicht mehr durch
ehrliche Arbeit zu verdienen. Der Mensch wird gezwungen, sich an die Umstände
eines Staates anzupassen. Wenn Produktivität bestraft wird, wird die Gesellschaft
als Ganzes auch unproduktiv. Steuern vermindern den Anreiz, ein ursprünglicher
Eigentümer oder Produzent eines Produkts zu sein und erhöhen den Anreiz, seinen
Lebensunterhalt mit staatlichem Diebesgut zu finanzieren. Hoppe beschreibt, wie sich
die Menschen in einem wachsenden Staat den Psychopathen anpassen müssen: Sicher,
es gibt Menschen, die von dem Begehren, sich auf Kosten anderer Menschen zu bereichern
und sie herumzukommandieren, unberührt bleiben; das heißt, es gibt Menschen, die nur
wünschen, zu arbeiten und die Früchte ihrer Arbeit zu genießen. Doch wenn Politik - der
Erwerb von Gütern durch politische Mittel (Besteuerung und Gesetzgebung) - erlaubt ist,
werden selbst diese harmlosen Menschen zutiefst berührt. Um sich gegen Angriffe auf
ihre Freiheit und Eigentum durch Personen mit weniger moralischen Skrupeln
als sie zu verteidigen, müssen selbst diese ehrlichen, hart arbeitenden Menschen
‚politische Tiere‘ werden und immer mehr Zeit und Energie darauf verwenden, ihre
politischen Fähigkeiten zu entwickeln. Da die für den politischen Wettbewerb nötigen
Merkmale und Talente - gutes Aussehen, Geselligkeit, Redekraft, Charisma usw. - unter den

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