B.1. Die Definition der Wahrheit

Die alternativen Medien bezeichnen sich gerne als Teil einer sogenannten
„Wahrheitsbewegung“, deren Wesenszüge allerdings nie klar definiert wurden. Klar
lügt ein Politiker, wenn er vollmundig etwas verspricht, das er später nicht einhält,
und es ist die Aufgabe von investigativen Journalisten, dies aufzudecken. Doch was ist,
wenn Psychopathen, wie auf Seite 17 beschrieben, an ihr eigenes, verzerrtes Weltbild
glauben und es ihren Mitmenschen aufzwingen? Hitler erweckte den Eindruck, er
glaube an die Richtigkeit der Ausrottung der Juden und seines tausendjährigen Reiches
zum Wohle der Menschheit. Für Hitler selbst waren es vermeintlich gute Absichten,
die später Millionen seiner Landsleute das Leben kosteten. Er musste die Deutschen
demnach nicht zwingend anlügen, um seine Vision zu verwirklichen. Aber handelte
er im Sinne der Wahrheit? Wohl kaum! Lag Hitler nicht deshalb falsch, weil er etwas
tat, das moralisch falsch war? Und wie sollte man dieses „moralisch falsch“ am besten
definieren?

Ich sehe mich ebenfalls als Teil einer Wahrheitsbewegung. Die Personen, die sich
als Teil der ,,Wahrheitsbewegung™ verstehen, sollten sich die Frage stellen, ob Sie sich
mit meiner folgenden Definition der Wahrheit identifizieren können: „Ich darf alles
machen, solange ich keinem anderen Menschen schade!“ „Schaden“ bedeutet:
„Jemandem körperlich oder seelisch schaden“, „jemanden zu etwas zwingen“ und
„jemanden bestehlen“. Diese Regel muss jeder Mensch beachten, um moralisch richtig
zu handeln. Wenn Sie mit dieser Definition der Wahrheit nicht d‘accord gehen, gibt
es folgende zwei Möglichkeiten: Sie sind ein Psychopath oder haben die Denkmuster
eines Psychopathen angenommen.

Die Mehrheit der Menschen wird dieser Definition allerdings zustimmen. Doch
woran liegt das? Liegt es daran, dass jemand vor vielen Jahrtausenden einmal gesagt
hat, dass man seinen Mitmenschen nicht schaden darf, solange sie einem nicht selbst
schaden? Hört die Menschheit bis heute auf die Worte dieser einen Person, die ein Gesetz
erlassen musste, um die Menschheit vor Mord und Totschlag zu schützen? Wohl kaum!
Die Wahrheit dieser Aussage leitet sich aus der menschlichen Natur ab, denn ein
Mensch, der am Leben teilhaben will, muss sich an diese Regel halten. Die Wahrheit
dieser Aussage ist deshalb nicht ideologisch, sondern selbst-evident. Ihre Wahrheit
basiert auf der Beobachtung der menschlichen Natur. Wir haben es hier mit einem
Naturgesetz der menschlichen Interaktion zu tun. So befinden wir uns, wie schon
im Bereich der Ponerologie, im Bereich der Wissenschaften, um ein moralisches
Regelsystem zu erschaffen, das eine Pathokratie verhindert. Für Psychopathen
ist die Aussage „Ich darf alles machen, solange ich keinem anderen Menschen
schade!“ nämlich nicht wahr. Lobaczewski schrieb: Für Menschen mit verschiedenen
psychologischen Abweichungen erscheint die von normalen Menschen beherrschte soziale
Struktur und deren konzeptuelle Welt als ‚System des Zwangs und der Unterdrückung‘.
Diese Wahrheit basiert demnach ebenfalls auf der Natur der Psychopathen, nicht
auf einer Regel, die von einer Autorität aufgestellt wurde. Da Psychopathen jegliches
Schuldbewusstsein fehlt, entspricht die Aussage ihrer individuellen Wahrheit. Das

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