die über die wahre Natur der Ideologie Bescheid weiß, während die wahren Absichten
der Gruppe oder des Staatsapparats, der die Ideologie umsetzt, vor den unteren Rängen
der Befehlskette geheim gehalten werden. Wer nicht zu der kleinen Führungsschicht
essenzieller Psychopathen gehört und weiter für den Erfolg der Gruppe oder der
Regierung arbeitet, ist meist felsenfest von der Ideologie überzeugt: Ein Beobachter, der
die Aktivitäten einer solchen Vereinigung von außen mit einer herkömmlichen psychologischen
Weltsicht betrachtet, wird immer dazu neigen, die Rolle des Anführers und seiner vorgeblich
selbstherrlichen Funktion zu überschätzen. Die Maschinerien des Redekünstlers und der
Propaganda werden in Gang gesetzt, um diese irrige Annahme durch AufSenstehende zu
erhalten. Der Anführer ist jedoch von den Interessen der Vereinigung abhängig, insbesondere
von jenen der eingeweihten Elite, und das in einem größeren Ausmaß, als er selbst glaubt.
Er beginnt einen permanenten Kampf um die Positionen. Er ist ein Schauspieler, der
unter einem Regisseur arbeitet. In makrosozialen Vereinigungen wird diese Position im
Allgemeinen von einem repräsentativen Menschen bekleidet, der nicht bestimmter kritischer
Eigenschaften beraubt ist; ihn in alle Pläne und kriminelle Kalkulationen einzuweihen,
wäre kontraproduktiv. Eine Gruppe von Psychopathen, die sich im Hintergrund
aufhält, lenkt gemeinsam mit einem Teil der eingeweihten Elite den Anführer, so
wie Bormann und seine Leute Hitler lenkten. Wenn der Anführer nicht seine ihm
zugedachte Rolle spielt, dann ist ihm üblicherweise klar, dass die Elite der Vereinigung in
einer Position ist, ihn zu töten oder auszuschalten.‘ Als essenziellen Psychopathen hinter
Stalin identifizierte Lobaczewski im Übrigen Lawrenti Pawlowitsch Beria (Die offizielle
Version von Stalins Ende lautet bis heute: Natürlicher Tod durch Gehirnblutung. Jedoch
soll, Gerüchten zufolge, Stalins Vorhaben, den Dritten Weltkrieg loszubrechen, um
Europa doch unter kommunistische Kontrolle zu bekommen, der Anlass gewesen sein,
dass er auf Befehl des KGB-Chefs Beria mittels einer Giftspritze ermordet wurde.?!),
der 1938 zum Chef der Geheimpolizei ernannt wurde.“

Die schizoiden Psychopathen kreieren im Prozess der Ponerogenese eine
falsche Ideologie, die charakteropathischen Redekünstler verkaufen die Ideologie
an das Volk und die essenziellen Psychopathen steuern den Prozess aus dem
Hintergrund. Das ist die kürzestmögliche Erklärung der Entstehung des Bösen.

A.5. Die Heilung des Bösen

So wie fast jede Krankheit ist auch das Böse als makrosoziale Krankheit heilbar,
wie Lobaczewski feststellte. Dabei ist es sowohl möglich, dem Ausbruch der Epidemie
des Bösen prophylaktisch vorzubeugen, als auch diejenigen zu heilen, die unter dem
Einfluss eines Psychopathen stehen. Im Gegensatz zu körperlichen Krankheiten ist
das Bewusstsein des eigenen psychischen Defekts ein riesiger Schritt hin zu seiner
Heilung, fast schon die Heilung selbst. Das Bewusstsein der eigenen Erkältung ist
z.B. keine große Hilfe, wenn man nichts gegen die Erkältung macht. Bei den von
Lobaczewski untersuchten psychischen Phänomenen macht die Erkenntnis, dass
man unter ihnen leidet, den entscheidenden Teil der Behandlung aus. Die Heilung
beginnt allein mit dem Verständnis. Lobaczewski beschrieb, wie er mit der Technik

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