dass sie auf den Schwindel eines Psychopathen hereingefallen waren, war es für sie
zu spät, da die Arbeitslager schon errichtet waren. Sie konnten sich nicht mehr vom
Kommunismus abwenden, da die Psychopathen sie sonst dorthin verfrachtet hätten.
Lobaczewski analysierte nicht nur die Häufigkeit und Typen von Psychopathen, die
zur Entstehung des Bösen beitragen, er untersuchte auch deren Wechselbeziehungen
bei der Errichtung einer Pathokratie. Charakteropathen (siehe S.15) und: schizoide
Persönlichkeiten (siehe S.17) leiden oft an wahnhaftem Realitätsverlust und sind
nicht in der Lage, das Ausmaß ihrer Taten abzusehen. Auch von ihrer fehlerhaften
Ideologie sind sie vollkommen überzeugt, sodass alle negativen und unlogischen
Aspekte der Ideologie von ihnen verdrängt werden. Lobaczewski fand heraus, dass
„Redekünstler“, die fähig sind, eine ganze Nation von einer falschen Ideologie zu
überzeugen, meist an Charakteropathien leiden. Die Ideologie dient gleichermaßen
dazu, das Publikum als auch den charakteropathischen Redekünstler zu täuschen:
Wenn wir jedoch die exakten Funktionen solch einer Ideologie in der Persönlichkeit des
Redekünstlers untersuchen, dann erkennen wir, dass es nichts anderes ist als ein Mittel zur
Selbstgefälligkeit, das für eine Verdrängung dieser quälenden selbstkritischen Gedanken ins
Unterbewusstsein sehr geeignet ist. Die bei der Beeinflussung anderer Menschen hilfreiche
Rolle der Ideologie dient ebenfalls den Bedürfnissen des Redekünstlers.'® Die essenziellen
Psychopathen (siehe S.18) nutzen die Anomalien der Charakteropathen aus, die
von ihrem Weltbild hundertprozentig überzeugt sind. Sie haben die Denkfehler
der Charakteropathen durchschaut und sind sich ihrer eigenen Andersartigkeit
bewusst. Die wahre Bösartigkeit der Ideologie ist ihnen ersichtlich, doch sie nutzen
sie, kombiniert mit der Überzeugungskraft der charakteropathischen Redekünstler, zu

ihrem eigenen Vorteil. Es entsteht eine eingeweihte Elite aus essenziellen Psychopathen,

Projekten mit relativ wenig oder keiner Bedeutung für die Konsumenten führt. Da es ihm nicht erlaubt ist, Kaufange-
bote von privaten Individuen anzunehmen, die eine alternative Art der Verwendung gegebener Produktionsmittel sehen,
weiß der sozialistische Produktionsverwalter buchstäblich nicht, was seine Opportunitätskosten sind. Daher folgen fort-
dauernde Fehlallokationen von Produktionsfaktoren. Drittens, selbst wenn eine bestimmte Ausgangsallokation gegeben
ist, wird der Anreiz eines jeden Produzenten, die Quantität und/oder die Qualität seiner individuellen Ausbringung zu
steigern, systematisch verringert, weil die Produktionsfaktoren und die produzierte Ausbringung sich in Kollektiveigen-
tum befinden. Ebenso und aus demselben Grund wird der individuelle Anreiz, im Umgang mit den Produktionsfaktoren
sparsam zu sein und sie weder zu sehr noch zu wenig zu beanspruchen, verringert. Stattdessen wird, indem Gewinne und
Verluste im sozialisierten Firmenkapital und Verkaufskonto sozialisiert werden, statt spezifischen, individuellen Produ-
zenten zugeordnet zu werden, jedermanns Neigung zu Faulheit und Nachlässigkeit systematisch verstärkt. Daher wird
eine minderwertige Güterqualität und/oder -quantitit produziert, und es kommt zum dauerhaften Kapitalverbrauch.
Viertens, unter einem Privateigentumsregime kann eine Person, die eine Ressource besitzt, unabhängig von anderen
entscheiden, was damit zu tun ist. Wenn sie ihren eigenen Wohlstand erhöhen und/oder sozial aufsteigen möchte, kann
sie das nur tun, indem sie ihr Eigentum dazu gebraucht, die dringendsten Bedürfnisse freiwilliger Konsumenten besser

zu befriedigen. Bei Kollektiveigentum an Produktionsfaktoren sind kollektive Entscheidungsmechanismen nötig. Jede

Entscheidung darüber, was, wie und für wen zu produzieren ist, wieviel zu bezahlen oder zu verlangen ist und wer zu
befördern oder herabzusetzen ist, wird zu einer politischen Angelegenheit. Jede Uneinigkeit muss dadurch beigelegt wer-
den, dass der Wille einer Person einer anderen Person aufgezwungen wird und so unweigerlich Gewinner und Verlierer
erzeugt werden. Wenn man daher im Sozialismus aufsteigen möchte, muss man seine politischen Talente einsetzen. Nicht
die Fähigkeit zu initiieren, zu arbeiten und auf die Wünsche der Konsumenten zu reagieren, sichert den Erfolg. Stattdes-
sen steigt man durch die Mittel der Überredung, der Demagogie und der Intrige, durch Versprechungen, Bestechungen
und Bedrohung an die Spitze. Es versteht sich von selbst, dass diese Politisierung der Gesellschaft, inhärent jedem System
des Kollektiveigentums, weiter zur Verarmung beiträgt.”

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